„Vor jeder Technik-Messe bekomme ich bis zu 2.500 Mails“

Was er unter guter TV-Promotion versteht, welche Bedingungen am Roten Teppich optimal sind und welche Gefahren sich für ihn hinter Social Media verbergen, unter anderem darüber spricht der N24-Mann Marcus Tychsen bei PRleben.

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Marcus Tychsen, Journalist N24

Was genau ist dein Job und wie bist du dazu gekommen?

Ich bin Redakteur, Moderator und Reporter für N24. Angefangen habe ich zur Finanzierung des Studiums und aus journalistischem Interesse als freier Mitarbeiter bei der Tageszeitung Bonner Rundschau. Dann machte ich ein Volontariat im Nachrichtenstudio ProSieben Bonn und bin beim TV geblieben.

Damals habe ich das wöchentliche Promi-Magazin N24 VIP moderiert. Noch heute berichte ich neben harten Nachrichten über Events wie den ECHO, Bambi, Eurovision Song Contest und außerdem intensiv über Unterhaltungselektronik bei der IFA, der CES (Consumer Electronics Show), der Handy-Messe MWC in Barcelona usw.

Wie kommst du in deinem Job am häufigsten an gute Geschichten, Informationen? Social Media, Newsseiten im Netz, persönliche Kontakte, eigene Recherche…

Eine Mischung aus alledem – für die Top-Geschichten muss man immer dran bleiben, viel im Netz stöbern und auch Kontakte zu den Agenturen pflegen, da gibt es keine Automatismen.

Was bedeutet für dich gute PR? Kannst du sagen, welche Eigenschaften ein guter PR-Mensch mitbringen sollte?

Gute PR steht für Lust auf ein gutes Produkt oder eine gute Show. Außerdem sollten Agenturen die Medien als Partner sehen, ohne ihnen was aufzuschwatzen. Ich lege PR-Kontakte -bei aller Fluktuation im Geschäft- gerne langfristig an. Wenn man sich kennt, ergibt sich mit guten PR-Menschen ein Vertrauensverhältnis, von dem beide Seiten profitieren können. Ein offener, freundlicher PR-Mensch wird von mir als Journalist immer mit demselben Respekt behandelt werden. Beide Seiten machen ihren Job, und das ist für beide meist sehr arbeitsintensiv – was Außenstehende übrigens auch oft bei beiden Seiten NICHT so sehen…

Kannst du dich an eine PR-Aktion erinnern, die dich begeistert hat?

Ich freue mich oft über die Kreativität der PR-Macher und gelungene Aktionen. Größere Firmen haben da natürlich mehr Budget und somit Möglichkeiten, aber auch im Kleinen merkt man sofort Liebe zum Detail und ob sich jemand Gedanken gemacht hat oder nur irgendwas verkaufen will.

Was sollte ein PR-Mensch im Job auf jeden Fall vermeiden? Gab es mal ein negatives PR-Erlebnis?

Vor jeder Technik-Messe bekomme ich zwischen 1500 und 2500 Mails und 60 bis 100  Anrufe. Da ist viel Spam dabei. Eine gewisse Selektion seitens der PR-Agentur wäre Gold wert.  Und auch die Tatsache, dass TV eben wirklich nur relevante Themen darstellen kann. Viele kennen nicht mal den TV-Sender, geschweige denn die TV-Formate.

Und wenn ich nett kommuniziere, dass ich nicht interessiert bin, brauche ich nicht noch drei „dringende“ Anrufe, dass das doch für die Firma ein wichtiges Produkt sei. Egal  ob Produkt, Star, Show oder Story: Den Zuschauer muss es interessieren, sonst niemanden.

Du bist ja häufig als Reporter am Roten Teppich unterwegs. Was sind für dich optimale Bedingungen bzw. was geht gar nicht?

Optimal: Ist ein guter Standort und genug Platz (so ab 1,50 Meter Breite) für´s Kamerateam und mich. Ich schätze aufgebautes Vertrauen und Professionalität seitens der Veranstalter, aber auch von uns Journalisten. Manche meiner Kollegen finden sich oft SEHR wichtig, da denke ich, sie könnten den Ball etwas flacher halten, dann könnten dann alle Beteiligten ruhiger arbeiten.

Du bekommst ja viele Angebote von PR-Menschen, welche Angebote sind dir am liebsten und womit kannst du gar nichts anfangen?

Es geht hier eben um ANGEBOTE, jedes Medium kann entscheiden, ob es die wahrnimmt oder nicht .  Sehr schön ist, wenn man gemeinsam mit den PR-Kollegen eine Vorstellung oder eine konkrete Geschichte definiert und die dann auch für alle Beteiligten gut umsetzt. Klar muss auch sein: Wir beleuchten einen Star, ein Event oder ein Produkt nicht aus Sicht der PR-Agentur, sondern unabhängig stellvertretend für den Zuschauer. PR-Profis wissen das, lassen uns frei arbeiten  – und bekommen am Ende wahrscheinlich mehr und bessere PR.

Wie wichtig ist der Bereich Social Media für deine Arbeit?

Social Media ist ein wichtiger Bereich, um Stimmungen wahrzunehmen und Geschichten zu sehen, die woanders (noch) nicht  gelaufen sind. Soziale Medien sorgen aber auch dafür, dass viel Themen immer schneller von immer mehr Medien fast zeitgleich aufgegriffen werden. Und mehr in der Masse, viel weniger in der Tiefe wahrgenommen wird. Eine Meinung steht oft schon nach wenigen Worten, einem Foto oder Video fest – obwohl vielleicht die Hälfte der Informationen fehlt.

Welches Unternehmen / welche Marke leistet deiner Meinung nach richtig gute Öffentlichkeitsarbeit und warum,… was beeindruckt dich daran?

Gute Öffentlichkeitsarbeit muss -gerade heute durch die sozialen Medien- transparent sein, alles andere kommt sowieso irgendwann raus. Gepaart mit intelligent-lustigen Aktionen und Kampagnen können Unternehmen so punkten, auch bei mir! Ich bin eher für Abwechslung als ständiges (und offensichtliches) Einhämmern der Werbebotschaft. Ein nordisches Möbelhaus, ein großer Mietwagenverleiher und ein deutscher Autohersteller kommen mir da spontan als kreative PR in den Sinn 🙂

Könntest du dir vorstellen vom Journalismus in die PR zu wechseln? Warum /warum nicht?

Das ist für mich absolut vorstellbar, wäre zunächst aber eine Umstellung von der Denke her. Andererseits wüsste ich durch die journalistische Erfahrung, was die andere Seite braucht – TV-Journalisten haben völlig andere Bedürfnisse als Print, Blogger oder Radiokollegen. Dem könnte man von PR-Seite vielleicht noch etwas mehr Rechnung tragen.

Vielen Dank, lieber Marcus!

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4 Gedanken zu “„Vor jeder Technik-Messe bekomme ich bis zu 2.500 Mails“

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