Was bleibt von dir, wenn dir dein Jobtitel genommen wird?
Keine Firmen-E-Mail mehr, kein Diensthandy, kein Status über den Arbeitgeber, keine Visitenkarte und auch kein großes Logo mehr im Rücken.
Diese Frage stellt Tom Junkersdorf in dieser Folge von „Be your Brand“.
Viele Menschen verlassen sich beruflich noch immer sehr stark auf die Marke, für die sie arbeiten. Auf die Position, die sie innehaben. Auf das Unternehmen, das ihnen Sichtbarkeit, Zugang und Relevanz gibt. Das kann lange gutgehen. Bis es plötzlich nicht mehr gutgeht.
Tom Junkersdorf kennt diese Welt sehr gut. Er war Chefredakteur großer Medienmarken, arbeitete international, traf Persönlichkeiten aus Mode, Luxus, Business, Entertainment und Sport. Heute ist er Unternehmer, Podcaster, Bestseller-Autor und selbst eine starke Personal Brand.
Sein Satz für diese Folge: „Be your own brand.“
Natürlich passt dieser Satz perfekt zu „Be your Brand“. Aber er ist mehr als ein schöner Claim, er ist eine ziemlich klare Aufforderung.
Warum Personal Branding heute kein nettes Extra mehr ist
Personal Branding wurde lange als etwas gesehen, das man macht, wenn man besonders sichtbar sein will. Wenn man selbstständig ist, auf Bühnen möchte oder als Expertin oder Experte wahrgenommen werden will.
Aber inzwischen geht es um mehr.
In einer Arbeitswelt, in der KI Lebensläufe perfektioniert, Jobs verändert, ganze Branchen unter Druck geraten und klassische Karrierewege brüchiger werden, reicht es nicht mehr, nur im eigenen Unternehmen bekannt zu sein.

Tom bringt es bei „Be your Brand“ auf den Punkt: „Wenn alle Lebensläufe durch KI besser, glatter und perfekter werden, fehlt am Ende genau das, was Menschen unterscheidbar macht.“
Die eigene Persönlichkeit, Erfahrungen, eine eigene Stimme …oder anders gesagt: deine Personal Brand.
Natürlich heißt das nicht, dass jede und jeder sofort Creator werden muss. Es heißt auch nicht, dass alle täglich auf LinkedIn posten sollen. Aber es heißt: Du solltest nicht erst anfangen, über deine Sichtbarkeit nachzudenken, wenn du sie dringend brauchst.
Personal Branding ist kein Rettungsboot, das du erst baust, wenn das Schiff schon sinkt.
Tom Junkersdorf ist nicht erst seit „Tomorrow“ eine Marke
Tom sagt, er hat in den vergangenen sechs Jahren daran gearbeitet, Tom Junkersdorf zur Personal Brand zu machen. Da musste ich ihm widersprechen.
Für mich war der Name Tom Junkersdorf schon lange vorher eine Marke. In meiner PR-Zeit war klar: Wenn es um People-Journalismus, große Medienmarken, Society, Lifestyle und relevante Geschichten ging, kam man an diesem Namen nicht vorbei.
Das ist eine wichtige Unterscheidung.
Viele Menschen denken bei Personal Branding nur an Social Media, LinkedIn-Profile, Reichweite, Contentpläne und Sichtbarkeit im Feed.
Aber eine Personal Brand entsteht nicht erst, wenn man anfängt zu posten. Sie entsteht oft viel früher.
Durch Arbeit, Beziehungen, Verlässlichkeit, ein Thema… einen Ruf den sich ein Mensch aufbaut. Also das, was andere über dich sagen, wenn du nicht im Raum bist.
Tom hatte diesen Ruf schon lange. In den vergangenen Jahren hat er ihn nur aus der Angestelltenrolle herausgelöst und stärker auf sich selbst übertragen.
Das ist ein entscheidender Punkt für viele erfahrene Menschen: Du startest oft nicht bei null. Du hast vielleicht schon Reputation, Erfahrung, Beziehungen und Expertise.
Die Frage ist nur: Ist das alles an deinen aktuellen Job gebunden oder ist es wirklich mit deinem Namen verbunden?
Geliehene Sichtbarkeit ist bequem, aber sie gehört dir nicht.
Tom spricht im Interview von „geliehener Macht“.
Das ist ein starker Begriff. Denn viele Menschen bekommen über ihren Job Zugang, Sichtbarkeit und Bedeutung. Sie werden eingeladen, angerufen, hofiert oder ernst genommen, weil sie eine bestimmte Position haben, für eine bekannte Marke arbeiten oder Teil eines Systems sind, das ihnen Gewicht gibt.
Das kann großartig sein, aber es ist geliehen.
Ein Arbeitgeber kann sich verändern. Eine Branche kann wegbrechen. Ein Vorstand kann eine neue Strategie beschließen, Budget kann gestrichen werden und Stellen können verschwinden.
Dann stellt sich die Frage: Was bleibt?
Tom erzählt sehr von seiner Zeit bei Condé Nast. Von Fashion Weeks, Luxusmarken, internationalen Terminen, großen Persönlichkeiten. Und auch davon, wie irgendwann gespart wurde. Wie Berater infrage stellten, ob man wirklich nach Mailand reisen müsse, um Miuccia Prada zu treffen.
Seine Antwort darauf: „Du kannst alles faken in dieser Welt, aber du kannst Luxus nicht faken.“
Dahinter steckt ein größerer Gedanke: Wer Teil eines Spiels sein will, muss das Spiel kennen, wer relevante Beziehungen aufbauen will, muss präsent sein und wer Qualität verspricht, muss investieren.
Auch das ist Personal Branding.
Das konsequente Leben dessen, wofür man stehen will.
Die erste Frage beim Personal Branding: Wer bist du wirklich?
Wenn Tom Menschen rät, ihre eigene Marke aufzubauen, beginnt er nicht mit LinkedIn, nicht mit Profilbild, Postingfrequenz oder Contentformat.
Er beginnt mit der Frage: Wer bist du wirklich?
Das klingt simpel. Ist es aber nicht.
Denn viele Menschen beantworten diese Frage über ihre Funktion. Ich bin Head of…, Ich bin Geschäftsführerin, Chefredakteur, Beraterin, bei Unternehmen XY…
Das kann alles stimmen, doch es reicht nicht.
Tom fragt: Was bleibt, wenn dir das alles genommen wird?
Seine eigene Antwort ist ungewöhnlich: Er sagt, sein größtes Talent sei, Feuer zu machen.
Nicht im wörtlichen Sinne. Gemeint ist: Menschen zusammenzubringen, aufmerksamkeit zu schaffen, Geschichten zu erzählen und einen Ort zu schaffen, an dem andere zusammenkommen wollen.
Aus diesem Talent wurde sein Podcast „Tomorrow“. Erst mit null Hörer:innen, dann mit den ersten Zuhörern und heute spricht er von mehreren Millionen Hörer:innen.
Darin steckt ein sehr wichtiges Personal-Branding-Learning:
Du musst nicht zuerst den perfekten Kanal finden. Du musst zuerst verstehen, was dein Feuer ist.
- Was ziehst du an?
- Wofür kommen Menschen zu dir?
- Was kannst du immer wieder herstellen, egal in welchem Umfeld?
- Was ist dein Talent, das nicht an eine Jobbeschreibung gebunden ist?
Erst danach kommt die Frage, ob daraus ein Podcast, ein Newsletter, ein LinkedIn-Profil, ein Buch, ein Angebot oder etwas ganz anderes wird.
Netzwerk ist nicht gleich Netzwerk
Viele überschätzen ihr Netzwerk massiv.
Sie kennen viele Menschen, waren auf Events, haben Kontakte gesammelt und /oder sind mit vielen auf LinkedIn vernetzt. Doch die entscheidende Frage ist eine andere:
Wer würde wirklich etwas für dich tun, wenn du nicht mehr in deiner aktuellen Rolle bist?
Tom sagt dazu: „Ein Netz besteht immer aus Seilen und aus Löchern.“
Denn ein Netzwerk ist nicht die Anzahl deiner Kontakte. Ein Netzwerk ist das, was dich wirklich trägt.
Besonders spannend wird das beim Übergang in die Selbstständigkeit. Viele merken dann zum ersten Mal, wer wirklich an ihrer Expertise interessiert ist und wer vor allem vom alten Status profitieren wollte.
Solange man bei einer großen Marke arbeitet, öffnen sich Türen, wenn man plötzlich selbst eine Rechnung schreibt, verändert sich der Blick.
Das kenne ich aus meiner eigenen Arbeit auch sehr gut. Viele Menschen unterschätzen, wie groß der Unterschied ist zwischen: „Wir sollten mal etwas zusammen machen“ und „Ich bezahle dich für deine Leistung.“
Genau deshalb ist Personal Branding kein oberflächliches Sichtbarkeitsthema. Es geht auch um Vertrauen, belastbare Beziehungen, klare Positionierung und den Wert, den andere in deiner Arbeit erkennen.
Warum du nicht nur nach oben netzwerken solltest
Ein Punkt, den ich im Gespräch ergänzt habe und der mir in meiner PR-Zeit extrem geholfen hat: Netzwerke nicht nur nach oben.
Viele wollen sofort an Chefredakteur:innen, CEOs, Gründer:innen oder große Namen ran. Verständlich. Aber oft entstehen die wertvollsten Beziehungen auf Augenhöhe.
Mit Menschen, die gleichzeitig mit dir starten. Mit Praktikant:innen, Trainees, Redakteur:innen, Kolleg:innen, Projektpartner:innen. Manche von ihnen sitzen Jahre später selbst an entscheidenden Stellen.
Es geht nicht nur um Positionen, es geht um Menschen.
Das ist ein riesiger Unterschied.
Wer nur Funktionen sammelt, baut kein echtes Netzwerk auf. Wer sich wirklich für Menschen interessiert, schafft Beziehungen, die länger halten als ein Jobtitel.
Auch das zahlt aufs Personal Branding ein. Dein Ruf entsteht nicht nur durch öffentliche Inhalte. Er entsteht auch durch jede Begegnung, jede Zusammenarbeit und jede Art, wie du mit Menschen umgehst.
Was starke Personal Brands gemeinsam haben
Im Gespräch nennt Tom mehrere Persönlichkeiten, die für ihn starke Personal Brands sind. Besonders eindrücklich: Nico Rosberg und Arnold Schwarzenegger.
Nico Rosberg wurde Formel-1-Weltmeister und beendete danach seine Karriere. Ein Schritt, den viele von außen nicht verstanden haben. Mercedes hätte ihn gerne weiterfahren sehen. Die Formel 1 auch. Deutschland wahrscheinlich ebenfalls.
Aber Rosberg traf eine Entscheidung für sich.
Genau darin sieht Tom ein Merkmal starker Personal Brands: Sie führen sich selbst. Sie treffen Entscheidungen, die zu ihrem eigenen Weg passen und nicht nur zu den Erwartungen anderer.
Noch deutlicher wird das bei Arnold Schwarzenegger. Bodybuilder, Hollywood-Star, Politiker. Heute engagiert im Bereich Climate Action.
Viermal neu erfunden.
Tom erzählt im im Podcast „Be your Brand“, wie sehr ihn Schwarzenegger geprägt hat. Auch mit dem Satz: „So viele CEOs, so viele Vorstände kommen und gehen, ich bleibe immer Arnold Schwarzenegger.“
Das ist ein Satz aus einer anderen Liga, doch der der Gedanke dahinter ist für Personal Branding extrem relevant:
Positionen wechseln, Unternehmen verändern sich, Märkte kippen, aber dein Name bleibt… wenn du ihn aufgebaut hast.
Sichtbarkeit ist mehr als LinkedIn
Natürlich spielt LinkedIn für Personal Branding eine große Rolle, gerade im Business-Kontext.
Aber Sichtbarkeit ist nie nur ein Kanal.
Tom empfiehlt, möglichst viele Kanäle zu verstehen und auszuprobieren. LinkedIn, Instagram, TikTok, YouTube, Podcast, Buch, Bühne… Aus seiner Sicht erreicht man überall andere Menschen.
Ich sehe das etwas differenzierter. Ja, es ist wichtig zu verstehen, wo die eigenen Zielgruppen unterwegs sind und es kann sinnvoll sein, verschiedene Kanäle zu testen.
Aber nicht jede Person muss überall gleich aktiv sein. Gerade als Einzelperson oder kleines Team kann man sich auch verzetteln. Entscheidend ist nicht, auf jedem Kanal irgendetwas zu machen. Entscheidend ist, dort stark zu sein, wo es zur eigenen Persönlichkeit, zum Thema und zum Ziel passt.
Tom kann heute mehrere Kanäle professionell bespielen, weil er ein Team hat. Er sagt selbst, dass seine Marke und seine Inhalte inzwischen zu groß sind, um alles allein zu stemmen. Das ist wichtig einzuordnen….
Für viele Menschen beginnt Personal Branding nicht mit „Ich muss jetzt überall sein“. Es beginnt mit der Frage:
👉🏼 Wo kann ich mit meiner Expertise sichtbar werden, ohne mich komplett zu verlieren?
Für manche ist das LinkedIn, für andere ein Podcast oder ein Newsletter. Für manche zuerst ein gutes Netzwerk und gezielte Gespräche.
Es gibt keinen Pflichtkanal für alle, doch es gibt eine Pflichtaufgabe: herauszufinden, wofür du stehen willst.
Erfolg muss nicht nach außen glänzen
Bei einem Gespräch mit Tom Junkersdorf liegt es nahe, über große Namen, Medien, Luxus, Business und Erfolg zu sprechen.
Für ihn muss Erfolg jeder Mensch selbst definieren. Es geht nicht automatisch um Geld, Status oder Einladungen. Es geht darum, mit dem eigenen Leben zufrieden zu sein.
Das ist in einer Social-Media-Welt alles andere als selbstverständlich.
Wir vergleichen uns permanent. Wer war auf welchem Event? Wer hat welches Auto? Wer ist auf welcher Bühne? Wer bekommt welche Aufmerksamkeit?
Aber wer nur nach außen schaut, verliert schnell den Kontakt zum eigenen Maßstab.
Auch das gehört für mich zu Personal Branding: nicht nur sichtbar werden, sondern sich selbst nicht aus den Augen verlieren.
Eine starke Personal Brand ist nicht die lauteste Version, sie ist die stimmige Version von dir.
Was du aus dieser Folge konkret mitnehmen kannst
Wenn du deine eigene Personal Brand aufbauen möchtest, fang nicht bei der Frage an, was du posten sollst.
Fang hier an:
- Was bleibt, wenn dein Jobtitel wegfällt? 👉🏼 Welche Fähigkeiten, Erfahrungen, Themen und Beziehungen gehören wirklich zu dir?
- Wofür kennen dich Menschen heute schon? 👉🏼 Nicht was in deinem Lebenslauf steht. Überleg wofür dich andere weiterempfehlen würden.
- Was ist dein Feuer? 👉🏼 Welches Thema, welches Talent, welche Energie zieht Menschen zu dir?
- Welche Beziehungen tragen wirklich? 👉🏼Wer sind die Seile in deinem Netzwerk? Und wo sind vielleicht nur Löcher?
- Wo willst du sichtbar werden? 👉🏼 Nicht überall. Sondern dort, wo deine Zielgruppe ist und wo du langfristig durchhalten kannst.
- Was willst du aufbauen, bevor du es brauchst? 👉🏼 Eine Personal Brand entsteht nicht über Nacht. Genau deshalb solltest du nicht warten, bis der Druck da ist.
In der Folge sprechen wir unter anderem darüber…
- warum Tom Junkersdorf sagt: „Be your own brand“
- was von dir bleibt, wenn Jobtitel, Firma und Status wegfallen
- warum Personal Branding in Zeiten von KI und Jobunsicherheit wichtiger wird
- weshalb viele Menschen ihr Netzwerk überschätzen
- was ein echtes Netzwerk von losen Kontakten unterscheidet
- warum Tom sein größtes Talent als „Feuer machen“ beschreibt
- wie aus einem journalistischen Namen eine eigenständige Marke wurde
- was wir von Nico Rosberg und Arnold Schwarzenegger lernen können
- warum Erfolg jeder Mensch für sich selbst definieren muss
- weshalb Sichtbarkeit mehr ist als ein gutes LinkedIn-Profil
Diese Folge ist spannend für dich, wenn…
- du deine berufliche Zukunft nicht komplett von deinem Arbeitgeber abhängig machen möchtest
- du dich fragst, wie du eine eigene Personal Brand aufbauen kannst
- du gerade spürst, dass sich deine Branche verändert
- du sichtbarer werden möchtest, aber nicht weißt, wo du anfangen sollst
- du dein Netzwerk realistischer einschätzen willst
- du als Führungskraft, Selbstständige:r, Expert:in oder Angestellte:r unabhängiger wahrgenommen werden möchtest
- du verstehen willst, warum Personal Branding heute mehr ist als Eigenmarketing
Mein Fazit zur Folge mit Tom Junkersdorf
Diese „Be your Brand“-Episode stellt eine Frage, der viele lieber ausweichen würden: Was bleibt von mir, wenn mein Job weg ist?
Tom Junkersdorf ist ein gutes Beispiel dafür, wie jemand Reputation, Netzwerk, Erfahrung und Sichtbarkeit aus einer starken Karriere heraus in eine eigene Marke überführt hat.
Gleichzeitig zeigt das Gespräch auch: Personal Branding beginnt nicht erst mit dem großen Namen, dem Podcast, dem Buch oder der Bühne.
Es beginnt viel früher.
Mit der Frage, wofür du stehst. Mit deinem Ruf. Mit echten Beziehungen. Mit dem Mut, nicht nur über deine aktuelle Rolle sichtbar zu sein.
Die ganze Folge mit Tom Junkersdorf hörst du in „Be your Brand“… auch auf Spotify, Apple Podcast und all den anderen Playern.
Wenn du dich mit deiner eigenen Sichtbarkeit, Positionierung oder Personal Brand beschäftigst, findest du in meinem Personal Branding Newsletter regelmäßig Impulse rund um Personal Branding, LinkedIn und Kommunikation.
Und wenn du tiefer einsteigen möchtest, begleite ich dich im 1:1 Personal Branding Coaching dabei, mit deiner Expertise sichtbar zu werden.