Was #Goslinggate über die Quotenmessung verrät

Gigantische PR für eine Fernsehshow bringt eine gigantische Quote. Das sollte man zumindest meinen, wenn man den Gesetzen der PR Glauben schenken möchte. Allerdings hatte die Show, mit der nicht nur in der vergangenen Woche, sondern sicherlich auch in den letzten Monaten eindeutig allerbesten PR, insgesamt -laut Quotenerhebung(!) der GfK– nicht mal eine Millionen Zuschauer.

Die Rede ist von „Circus HalliGalli“ der Show von Joko und Klaas, die nach ihrem Goslinggate durch alle Medien ging.

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Am Morgen vor der Ausstrahlung von HalliGalli waren Zeitungen, Radio und das Netz voll mit dem Prank (= Streich) bei der Goldenen Kamera. Der falsche Ryan Gosling und der erschummelte Preis waren Tagesgespräch bei allen Menschen, die sich auch nur ein wenig für die Boulevardmedien interessieren.

Selbst mein Arzt sprach mich am Morgen vor der Sendung darauf an, dass er sich unbedingt anschauen will, wie die beiden Jungs es geschafft haben, einen falschen Hollywoodstar bei diesem renommierten Fernsehpreis einzuschleusen. Und mein Arzt ist schon einige Monate älter als der durchschnittliche ProSieben-Zuschauer.

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Trotz aller PR

Gerade mal 950.000 Menschen, was einem Gesamtanteil von 4,4% aller TV-Zuschauer an diesem Abend entspricht, haben HalliGalli eingeschaltet. In der sogenannten werberelevanten Zielgruppe waren es 870.000 Menschen (ein Marktanteil von 11,4%). Diese werberelevante Zielgruppe schaffen sich die Sender ein wenig so, wie es ihnen gefällt. Während sie bei ProSieben alle Menschen zwischen 14 und 49 Jahren umfasst, sind es bei RTL die Menschen bis 59 Jahre.

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Quelle: Quotenmeter.de

Da wundert man sich nicht schlecht, denn gefühlt hat doch irgendwie jeder die Sendung gesehen. Und ganz sicher haben auch viel mehr als „nur“ eine Millionen Menschen gesehen, wie Ludwig-Rayn-Gosling in die Hamburg Messehallen eingeschleust wurde. Aber geschaut haben die Menschen wohl nicht im Fernsehen, sondern auf alternativen Kanälen.

Überholtes Messmodell

In 5.000 Haushalten in Deutschland gibt es sie, die ominösen Messgeräte, die für die Quotenerhebung benutzt werden. Damit wird das Fernsehverhalten von ca. 10.500 in der BRD lebenden Personen erfasst. Die GfK rechnet hoch und so ergeben sich die Fernsehquoten, die wir morgens abrufen können.

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Die Zahlen an denen so viele Jobs hängen? Ja! Die Zahlen nach denen sich gigantische Werbe-Budgets richten? Ja! Als ich das neulich meinen Medienmanagement-Studenten erzählt habe, konnten sie es nicht recht glauben und ich kann es ihnen nicht verübeln.

Viele schlaue Menschen hacken seit Jahren auf der Quotenmessung rum, hier zum Beispiel Claudius Seidl von der FAZ. Und es stellt sich die Frage: Warum ist es für viele noch immer die Wertung?

Definieren über andere Wege

Die Mediennutzungsgewohnheiten der Menschen haben sich in den letzten Jahren sehr stark verändert, da hat die GfK schon seit längerem Nachholbedarf beim Erfassen der wirklichen Zuschauerzahl einer Fernsehsendung. Zuschauer die zeitversetzt konsumieren oder gar nicht über den Fernseher etwas anschauen, werden bei den Rechnungen noch immer nicht wirklich erfasst.

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Zum Glück gibt es immer mehr Fernsehanstalten, die sich ein wenig frei machen vom engen Quoten-Korsett. Gewiss sind es nicht die öffentlich rechtlichen Sender bei denen das Umdenken zuerst stattfindet, aber Medienhäuser wie die ProSieben Sat.1 Gruppe haben es verstanden, die letzten Jahre auch die Kanäle im Netz sinnvoll zu erschließen und sich dort großartig aufgestellt. Dort bricht nicht die Welt zusammen, wenn ein Format im Fernsehen mal keine bombastische Quote hat.

Fazit für die PR-Arbeit

Ich selbst kenne es auch: Du arbeitest für den Erfolg einer TV-Sendung, hast tolle PR im Vorfeld, wunderbare Geschichten mit Sendehinweis und genau richtig getimed. Wenn die Geschichte erscheint, wirst du gefeiert, wenn die Sendung dann läuft und die Quote nicht ausfällt wie erwartet, ist deine -eben noch gefeierte- Geschichte in den Augen kritischer Zeitgenossen nichts mehr wert.

Da heißt es dann: Dickes Fell zulegen! Gute PR ist und bleibt gute PR und lässt sich nicht an den veralteten Fernsehquoten der GfK messen.

(Fotos: Instagram/Twitter/Youtube)

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2 Gedanken zu “Was #Goslinggate über die Quotenmessung verrät

  1. ansgaransgar schreibt:

    Auf Youtube hat Goslinggate mittlerweile mehr als eine Million Klicks – was ja viel darüber aussagt, wo die Zielgruppe solche Sendungen schaut. Insofern sehe ich es wie du – die Messmethoden der GfK sind überholt. Es fragt sich allerdings, wie man das Alternativ erheben soll.
    Eine Anschlussfrage wäre für mich übrigens, was die Single Charts noch Wert sind – in Zeiten von Streaming.

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    • PRleben schreibt:

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Sicherlich ist eine alternative Erhebungsmethode nicht einfach zu finden. Das sollte der Artikel auch nicht Aussagen. Es wäre nur schön, wenn manche Menschen nicht NUR auf die TV-Quote schauen, sondern auch die anderen Kanäle mit einbeziehen, bevor sie sich festlegen, ob etwas ein Erfolg oder ein Misserfolg war. Die Anschlussfrage ist eine sehr gute Frage 😉

      Gefällt 1 Person

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