„Personal Branding ist in Österreich noch nicht so präsent“

Welche Medien sind für PR ManagerInnen in Österreich interessant und welche spannenden Personenmarke gibt es in unserem Nachbarland? Das sind zwei -von vielen- Fragen, die mir die Kommunikatorin Julia Breitkopf im PRleben-Fragebogen beantwortet.

Was genau ist dein Job und wie bist du dazu gekommen?

Ich bin PR-Managerin und habe mich mitten in der Corona-Pandemie mit meiner PR-Agentur FURORE Brand Communications selbstständig gemacht.

Ursprünglich komme ich aus dem TV-Journalismus und habe mir meinen Weg über die Eventbranche hin in die PR-Welt geebnet. Außerdem bin ich Journalistin und Podcasterin bei meinem Reportage-Podcast Inselmilieu.

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Kommunikatorin Julia Breitkopf
(Foto: kataneva photography)

(Warum) braucht es überhaupt PR-Menschen / Kommunikatoren?

Kommunikator*innen habe die Möglichkeit, Menschen mit ihren Anliegen oder ihrer Expertise im öffentlichen Diskurs Gehör zu verschaffen. Frauen, aber auch Menschen mit Migrationsbiografie oder schwarze Personen sind in unserer Medienlandschaft unterrepräsentiert.

Als PR-Profi bin ich mir meiner Verantwortung bewusst. Es macht einen Unterschied, wer medial zu Wort kommt. Ich bin der Überzeugung, dass es Medieninhalte braucht, die unsere Welt fair repräsentieren. Dass Geschichten aus der gesamten Gesellschaft erzählt werden müssen, nicht nur von einem bestimmten Menschentyp.

Wir Kommunikator*innen sind die Schnittstelle zwischen Journalist*innen und Menschen, die die Öffentlichkeit suchen. Genauso meine Kund*innen, die ich vor allem auch strategisch berate.

Was bedeutet für dich gute Kommunikation? Kannst du sagen, welche Eigenschaften ein guter Kommunikator im Jahre 2021 mitbringen sollte?

Ich denke, dass bei Kommunikator*innen sowohl in Agenturen, als auch in Medienhäusern ein Verantwortungsbewusstsein vorhanden sein muss, wem mediale Aufmerksamkeit zuteil wird – und wem nicht.

Wir Journalist*innen und PR-Berater*innen sind die Meinungsbildner*innen der Gesellschaft und sollten mit dieser Macht bewusster umgehen als in der Vergangenheit. Das fängt z.B. damit an, eine Frauenquote für Expertinnen in Diskussionsrunden zu setzen. Ohne gezielte Maßnahmen werden sich bestehende Ungleichheiten nicht von selbst korrigieren.

Was sollte ein guter Kommunikator im Job auf jeden Fall vermeiden? Gab es mal ein negatives Erlebnis das du mit uns teilen kannst?

PR folgt ethischen Grundsätzen und darf sich niemals verantwortungslosem Handeln unterwerfen. Ich sehe es als meine Aufgabe, Medienschaffende mit sachlichen Informationen bestmöglich zu servicieren und in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Eine unleidliche Praxis ist es meiner Meinung nach, wenn beispielsweise Interviews oder Artikel im großen Stil umgeschrieben werden. Als die Kommunikationsabteilung eines großen Kunden das gesamte Interview ihres Geschäftsführers korrigiert hat, konnte ich mich beim Journalisten nur ehrlich dafür entschuldigen.

Welchen drei Medien in Österreich misst du die meiste Bedeutung bei? Bitte begründe kurz.

Gesamtgesellschaftlich gesprochen messe ich der Kronen Zeitung, mit einer unglaublichen Reichweite von 25%, und den Abendnachrichten des ORF, “Zeit im Bild”, große Bedeutung zu.

Doch auch Medien mit einer geringeren Reichweite haben zum Teil großen meinungsbildenden Einfluss bei ihrer jeweiligen Seher-, Hörer- und Leser*innenschaft – Regionalmedien beispielsweise oder in intellektuellen Kreisen beliebte Medien wie Ö1.

In meiner täglichen Arbeit messe ich jenen Medien die größte Wertigkeit zu, die ich auch die Dialoggruppen meiner Kund*innen erreichen. 

Welchen Stellenwert hat Social Media für dich? Welches ist deine liebste Plattform und warum?

Bei den sozialen Medien schätze ich die interaktive Komponente, die es ermöglicht, mit unterschiedlichen Dialoggruppen in einen wechselseitigen Austausch zu treten. Als PR-Beraterin weise ich meine Kund*innen gerne darauf hin, dass man nicht zwangsläufig auf jeder Plattform vertreten sein muss, sondern lieber jene bespielen sollte, die von der jeweiligen Zielgruppe maßgeblich genutzt werden.

Ich bin ein großer Fan von LinkedIn, da es hier leicht möglich ist, die eigene Personal Brand aufzubauen, sich strategisch zu positionieren und zu vernetzen. Für meinen Podcast sind wir als @inselmilieu auf Instagram sehr aktiv.

Wie wichtig ist Personal Branding für dich? Wen betrifft dieses Thema in deinen Augen?

Der Aufbau der eigenen Personenmarke ist sowohl für Unternehmer*innen als auch für Führungskräfte und Angestellte ein Thema. Zuerst muss ich selbst wissen, wer ich bin und wofür ich stehe – wie können es sonst andere tun, wenn ich es nicht weiß?

Ich biete Personal Branding-Workshops an, in denen man mit mir gemeinsam seinem Alleinstellungsmerkmal auf den Grund geht. Und auch überlegt: Wie kommt meine Positionierung strategisch aus einem Guss zur Geltung – vom Logo bis zum Lippenstift? Und wie kann ich damit sichtbar werden? 

Wer ist für dich ein gutes Beispiel für Personal Branding und was können wir von dieser Person lernen?

Während es in Deutschland viele spannende Persönlichkeiten gibt, die Personal Branding hervorragend einsetzen, muss ich in Österreich wirklich überlegen. Das Thema scheint hierzulande noch nicht ganz so präsent zu sein.

Ein positives Beispiel ist für mich Karriere und Leadership Coach Katja Schuh, die bei mir mit einem stringenten online und offline Auftritt sehr präsent ist – so selbstbewusst, wie man es meist nur von männlichen Führungskräften kennt. 

Wie wichtig findest du persönliche Kontakte im digitalen Zeitalter?

Während der Pandemie habe ich festgestellt, dass ich auch online gut Menschen kennenlernen kann und LinkedIn dafür eine ideale Plattform ist.

Jedoch können persönliche Treffen nie durch digitale Calls ersetzt werden. Deshalb freue ich mich besonders über alle Events und Meetings, die nun wieder in persona stattfinden.

Kommunikatorin Julia Breitkopf (Foto: kataneva photography), Verena Bender, PR, Personal Branding, Blog, Be your Brand, Podcast, Sichtbarkeit, Personenmarke, Coach, Kommunikation, Personal Branding Podcast
Kommunikatorin Julia Breitkopf
(Foto: kataneva photography)

Wie wichtig ist das Thema Netzwerken für dich

Als Selbstständige ist Netzwerken natürlich absolut essenziell. Als extrovertierter Mensch habe ich das Glück, sowieso gerne auf Veranstaltungen zu gehen und ohne Scheu neue Leute kennenzulernen.

Besonders persönliche Fort- und Weiterbildungen haben sich im letzten Jahr zum absoluten Netzwerk-Gamechanger für mich erwiesen – so habe ich beispielsweise meine Podcast Co-Produzentin kennengelernt.

Deine 3 Tipps für Anfänger, die sich ein stabiles Netzwerk aufbauen möchten:

  1. Adde deine Kontakte auf LinkedIn und bewahre den Überblick, woher du wen kennst, indem du eine kurze Nachricht schickst, die euch beide an euer Kennenlernen erinnert.
  2. Sei großzügig und hilfsbereit, z.B. indem du Likes und Kommentare abgibst oder mit Tipps und Tricks aus deiner beruflichen Praxis zur Seite stehst, wenn diese benötigt werden.
  3. Netzwerken kann man überall: Auch auf WG-Partys oder Reisen lernt man wertvolle Menschen kennen, mit denen man vielleicht einmal beruflich kooperiert.

Kannst du dich an eine PR-Aktion erinnern, die dich begeistert hat? Wenn ja welche und warum?

Ich bin ein großer Fan der Kampagne “Wetterberichtigung”, die die Kommunikationsagentur Ketchum Publico gemeinsam mit dem Kreativteam go&try aus Wien umgesetzt hat.

Da sahen die Zuseher*innen plötzlich “Hoch Dragica” und “Tief Ahmet” in der Wettervorhersage und wurden so auf die fehlende Diversität in der Medienlandschaft aufmerksam gemacht.

Würdest du sagen, dass jeder Kommunikator auch mal journalistisch gearbeitet haben sollte, am besten eine Ausbildung in diesem Bereich machen sollte?

Journalistische Erfahrung ist kein Muss, aber es hilft ungemein dabei, sich in den Kopf von Journalist*innen hineinzudenken. Meine berufliche Laufbahn begann ich im Südosteuropa-Studio des ZDF in Wien.

Dieser Karrierestop und das dadurch erworbene Know-how sind mit Sicherheit ein Grund dafür, dass ich meine Kund*innen heute sehr erfolgreich in unterschiedliche TV-Sendungen vermittle.

Wie stehst du zu Pressemitteilungen? Braucht es die in der heutigen Zeit noch? Was sind sinnvolle Alternativen? 

Problematisch finde ich die inflationäre Verwendung in gewissen Agenturen. Die Empfänger*innen sind oftmals falsch adressiert, die Inhalte können redaktionell nicht verwertet werden und Redaktionen werden regelrecht damit überflutet.

Ich setze Pressemitteilungen deshalb äußerst sparsam ein und verwende sie nur dann, wenn es tatsächlich Neuigkeiten zu verkünden gibt. Dann sind sie ein gutes Mittel, um in kurzer Zeit viele Medien zu informieren. Meistens arbeite ich mit Einzelkontakten und biete exklusive Interviews oder Gastbeiträge an.

Verrätst du uns drei Bücher / Podcasts oder Blogs, die dich beruflich / persönlich weitergebracht haben?

  1. “Nur wer sichtbar ist, findet auch statt!” von Tijen Onaran – hervorragend!
  2. Das sehr gelungene Fachmagazin “PR Report” bringt mir mit jeder Ausgabe neue Impulse
  3. “Female Leadership Podcast” von Vera Strauch – wunderbar empathisch und zugleich empowernd!

Vielen Dank, liebe Julia.