„Ein PR-Mensch muss in Geschichten denken!“

Was muss ich einem TV-Team „bieten“, damit ich mit meinem Thema ins Fernsehen komme? Und dann am Besten direkt mit einem einzigen Dreh, bei RTL „Guten Morgen Deutschland“, Punkt 12, VOX Prominent und gerne in noch ein paar anderen (Boulevard-) Magazinen laufe?!

Das wollen viele, viele PR-Menschen wissen. Der Mann der genau DAS am besten weiß, ist mein Gesprächspartner im PRleben-Interview: Markus Peggen!

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RTL-Mann Markus Peggen mit Ehefrau Jenny

Du bist der Mann, um den PR-Manager in der Regel nicht herumkommen, wenn sie etwas bei RTL platzieren möchten! Was genau ist dein Job und wie bist du dazu gekommen?

Ich bin bei RTL oder genau gesagt bei Infonetwork (produziert die täglichen und wöchentlichen News- und Magazinformate der Mediengruppe RTL Deutschland) als Redakteur und Reporter beim „VIP-Desk“.

Ich koordiniere im Schwerpunkt Themen aus den Bereichen Musik, Film und VIP redaktionsübergreifend für die Magazin-Sendungen und teilweise auch für die Nachrichten-Formate von Guten Morgen Deutschland über Punkt 12 und Exclusiv oder Explosiv bis hin zum Nachtjournal und Prominent bei Vox.

Nachdem ich einige Jahre für „Guten Morgen Deutschland“ die VIP-Berichterstattung verantwortet habe, ergab sich die Gelegenheit, in diese Abteilung zu wechseln.

Wie kommst du in deinem Job am häufigsten an gute Geschichten / Informationen?

Wie sagt man so schön – eine Mischung aus Vielem: Persönliche Kontakte spielen natürlich eine große Rolle, aber darüber hinaus gucken wir uns auf den div. Kanälen um und lesen auch noch Zeitung…

Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?

Ich bin die meiste Zeit klassischer „Schreibtischtäter“ – heißt: Morgens einmal einen Blick über die aktuelle Lage verschaffen, dann Interviews absprechen, Termine vereinbaren, Kontakt zu den Außenstudios im In- und Ausland halten und eben versuchen, Geschichten zu finden und zu realisieren. Auf der anderen Seite bin ich natürlich beinahe „immer“ erreichbar, wenn es sein muss.

Wie sehr hat sich dein Job als TV-Redakteur durch die Digitalisierung verändert?

Alles ist viel schneller und vielfältiger geworden. Und für uns auch schwieriger: Weil die Prominenten natürlich lieber selbst auf den eigenen Kanälen ihre Bilder, Videos und Infos veröffentlichen, als es via TV-Interview zu tun.

Auf der anderen Seite ist das natürlich unsere Chance, nämlich aus der unglaublichen Flut an Infos die wirklich spannenden und interessanten Geschichten zu finden. Dazu macht die Digitalisierung auf technischer Seite vieles einfacher: Wo wir früher zum Beispiel große Übertragungswagen gebraucht haben, genügt heute oft schon eine gute Internetleitung.

Siehst du die Digitalisierung als Chance oder als Risiko? Warum?

Schwierige Frage: Die Chance liegt natürlich darin, dass vieles einfacher und schneller wird. Leider bleibt dabei oft der Journalismus auf der Strecke, weil jeder alles veröffentlichen kann und unter Umständen sofort eine große Reichweite hat. Eine Einordnung findet dann oft nicht mehr statt. „Fake News“ ist da das Stichwort. Aber auch das ist wieder die Chance: Die Leute wollen auch nach wie vor gute journalistische Beiträge und Geschichten.

Du hast in deinem Job natürlich häufig Kontakt zu PR-Menschen. Wie können sie dir deine Arbeit erleichtern?

Toll wäre natürlich, wenn die PR-Leute nicht nur ihr Event oder ihr Produkt, sondern auch eine „richtige“ Geschichte direkt mit im Kopf haben und dieses „Gesamt-Paket“ anbieten. Also zum Beispiel nicht nur einfach eine Gästeliste schicken, sondern zum Beispiel direkt sagen „XY kommt zum ersten Mal mit neuem Partner“ oder „Hier wird XY erstmals auch zu Geschichte XYZ sprechen“.

Wie möchtest du Themenvorschläge bekommen? Lieber per Mail oder telefonisch? Warum?

Eigentlich ganz egal – grundsätzlich aber am liebsten kompakt per Mail. Damit lässt es sich dann am Einfachsten auch weiterarbeiten.

Was war der größte Quatsch, der dir als Planer beim RTL VIP-Desk jemals angeboten worden ist?

Puh, das ist schwierig zu sagen, weil so viel jeden Tag kommt. Lustig ist natürlich immer wieder, wenn unbekannte Sänger oder Sängerinnen meinen, sie wären die absoluten Top-Stars und man müsse unbedingt über das neue Video bzw. das neue Album berichten. Da kommen dann mal so Sachen wie „Promi geht zum Friseur, wollt ihr das nicht begleiten“?

Nimmst du lieber vorproduziertes Material oder lässt du, wenn du die Wahl hast, immer ein eigenes Team drehen? 

Grundsätzlich lasse ich natürlich lieber selbst drehen, da die Kollegen dann klar unsere Art und Weise, eine Geschichte zu erzählen, verinnerlicht haben. Das sind oft Kleinigkeiten, aber das macht eben eine richtige Geschichte aus. Dann wird zum Beispiel an der entscheidenden Stelle auch ein zweites Mal nachgehakt, wo der „PR-Interviewer“ sich schon mit der ersten Antwort zufriedengibt.

Angenommen ein eigener Dreh ist nicht möglich… Wie muss das Material sein, damit ihr es verwendet und was sind die “No Goes“ bei vorproduziertem Material?

Absolutes „No-Go“ sind natürlich „Product Placement“ oder große Brandings. Wenn man den Eindruck hat, das ganze wurde nur gedreht, damit ein bestimmter Markenname möglichst groß und in fetten Lettern im Vor- oder Hintergrund zu sehen ist, dann sind wir raus.

Vorproduziertes Material sollte so journalistisch wie möglich gestaltet sein, auf der einen Seite die berühmten „W-Fragen“ beantworten und dann eben auch den Blick für die Geschichte hinter der Geschichte haben. Die Präsentation des neuen Produktes oder die abendliche Veranstaltung sind eben nur der Anlass aber nicht unbedingt auch die wirkliche Geschichte.

Was bedeutet für dich gute PR? Kannst du sagen, welche Eigenschaften ein guter PR-Mensch mitbringen sollte?

Ein guter PR-Mensch sollte natürlich unsere Seite kennen oder zumindest verstehen. Das heißt, eben auch in Geschichten denken und nicht nur in Produkten. Je besser die Geschichte ist, umso einfacher ist dann der Rest.

Du führst auch immer mal wieder selber Interviews mit (bekannten) Menschen. Welche drei Tipps würdest du Anfängern für eine solche Situation geben?

  • Bereite dich gut und intensiv vor, kenne die Hintergründe und Historie des Prominenten (nichts ist Peinlicher als am Geburtstag mit dem Prominenten zu drehen und es nicht zu wissen…)
  • Sei Professionell und werde, egal bei welchem Prominenten, nicht zum Fan
  • Sei respektvoll – das erwarte ich von meinem Gegenüber genauso – und bleibe immer freundlich, egal was passiert

Was sind für dich die drei wichtigsten Seiten im Netz?

Drei? Das reicht nicht 😉 – vielleicht drei Bereiche:

  • News: Bild.de, vip.de
  • Social: Facebook, Instagram, Twitter
  • Video: Youtube

Welches berufliche Erlebnis ist dir am nachhaltigsten im Gedächtnis geblieben?

Da gab es einige: Wie wahrscheinlich alle Leute aus der Branche kann auch ich noch genau sagen, wie ich den 11.09.2001 erlebt habe und was ich dann gemacht habe. Genauso geht es mir mit dem Tsunami 2004.

Aber darüber hinaus gibt es auch viele kleine Momente, etwa als Jogi Löw mir exklusiv verraten hat, dass er Marko Marin, damals Spieler bei Borussia Mönchengladbach für das nächste Länderspiel nominiert oder bei einem Termin mit Peter Maffay vor einigen Jahren: Alle drängten sich vor und stellten ihre Fragen, irgendwann war ich dann auch dran, zu Beginn nur mein Mikro, nach meiner dritten Frage waren es mindestens zehn…

Und den Moment als ich für ein Interview mit Jennifer Rush auf der Bettkante vor ihr gesessen habe, werde ich auch nicht so schnell vergessen.

Könntest du dir vorstellen vom Journalismus in die PR zu wechseln? Warum /warum nicht?

Schwierige Frage – im Moment ist alles so wie es ist sehr gut. Aber wer weiß schon, was das Leben noch so alles bringt…

Vielen Dank, lieber Markus.

PRleben geht nun in die Weihnachtspause. Ich wünsche euch allen ganz wundervolle, erholsame Feiertage und einen guten Start ins Jahr 2019! Hier geht es im neuen Jahr am 08. Januar mit aktuellen Inhalten weiter.