Mein peinlichstes PR-Erlebnis

Der erste Dienstag im Monat ist „Interviewtag“. Schon vor langer Zeit hat ein guter Freund zu mir gesagt: „Interview dich doch mal selbst für deinen Blog“. Damals dachte ich, wen interessiert schon, was ich so mache!? In letzter Zeit werde ich allerdings immer öfters zu meinem Job befragt. Vergangene Woche bekam ich dann die Mail einer Masterstudentin der IUBH School of Business and Management, die mich um Beantwortung der unterschiedlichsten Fragen rund um meinen Job gebeten hat:

  1. Anzahl der Jahre im PR Bereich; wie und warum sind Sie zur PR gekommen?

Ich arbeite seit 2005 im PR-Bereich. Vorher habe ich als Journalistin gearbeitet. Nach meinem Volontariat bei einem Radio NRW -Lokalsender bin ich zum Fernsehen gewechselt. Zuletzt war ich als Reporterin und Redakteurin bei RTL.

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Verena Bender

Meine jetzige Agentur hat damals einen Mitarbeiter gesucht, der sowohl beim Fernsehen als auch beim Radio gearbeitet hat. Das hat gepasst.

  1. Wie entwickelten Sie Ihre Kenntnisse/Fähigkeiten?

Ich habe sehr von meiner Arbeit als Journalistin profitiert, weil ich aus Erfahrung weiß, was Journalisten für ihre Berichterstattung benötigen und was nicht! Da ich im Boulevard-TV gearbeitet habe und Position PR der Marktführer im Entertainmentbereich ist: eine gute Kombination. Ich weiß zum Beispiel, dass seitenlange Pressemitteilungen in der Regel total überflüssig sind. Es geht nichts über eine gute Geschichte, die erzählt werden kann.

  1. Wie sieht ein typischer Tag für Sie aus?

Den gibt es eigentlich nicht! (und das ist einer von vielen Punkten, den ich an meinem Beruf sehr mag.) An vielen Tagen bin ich in Deutschland unterwegs und treffe Medienpartner, Journalisten oder auch Kunden. Persönliche Kontakte sind einfach das Wichtigste.

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Wir arbeiten für viele Veranstaltungen, die wir vor Ort betreuen. Und wenn ich Gäste in Fernsehsendungen platziere, dann begleite ich sie zum Dreh oder zur Show….

Wenn ich nicht unterwegs bin, gehe ich gegen 9 Uhr in die Agentur. Hier warten dann verschiedene Meetings auf mich, Abstimmungen mit Kollegen, abarbeiten von EMails etc. Offizieller Büroschluss ist um 18 Uhr.

Nebenbei (also eher abends oder am Wochenende) steht die Pflege für PRleben.de und die verschiedensten damit verbundenen Social Media Plattformen an. Wie viele andere Blogger auch hätte ich beim Start von PRleben nie gedacht, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, einen Blog zu pflegen und bekannt zu machen. Aber es macht auch sehr viel Spaß und ist eine tolle Ergänzung zum Job. Einmal die Woche gebe ich eine Vorlesung als Dozentin an der Macromedia Hochschule im Bereich Medienmanagement.

  1. Was sind die schönsten und was die schlechtesten Seiten an Ihrem Job?

Zu den schönsten Seiten zählen:

  1. Kontakt zu wahnsinnig vielen spannenden Menschen
  2. Interessante Themen
  3. Abwechslungsreich und nie langweilig
  4. Ich kann meine eigenen Ideen umsetzen

Nicht ganz so toll sind hin und wieder die Arbeitszeiten, immer dann wenn Abend- und Wochenendarbeit zu Stoßzeiten ein wenig überhand nehmen.

  1. Auf welches Projekt sind Sie besonders stolz?

Zu meinen schönsten PR-Erfolgen gehört die Idee, Harald Glööckler zum Durchbruch zu verhelfen, indem ich mir überlegt habe, ihn als das Vorbild für den Film „Brüno“ mit Sacha Baron Cohen „zu verkaufen“.

Ebenso die Platzierung einer kleinen Ausstellung an der Nordsee in den Wetter-Liveschalten des ARD Morgenmagazins (siehe Frage 7).

  1. Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?

Ich habe einen Künstler als Gast im TV angeboten und ihm Shows verschafft, bevor der Vertrag unterschrieben war. Er hat nicht unterschrieben, die Sendungen wollten ihn trotzdem haben. So hatte er wunderbare PR, ohne  dass wir daran verdient haben. Daraus habe ich gelernt… das passiert mir nicht nochmal!

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  1. Was war die bis jetzt schwierigste/anspruchsvollste Situation in Ihrem Job?

Ich nenne es mal meine peinlichste Aktion, dass passt besser. Es ging um die Platzierung einer Ausstellung, die „unfassbar gigantisch“ sein sollte. So hatte es der Auftraggeber unserer Agentur sehr eindrucksvoll verkauft. Wir haben die Pläne und Bilder von wirklich großartig und einzigartigen Exponaten gesehen. Ich habe einem guten Kontakt beim ARD Morgenmagazin (MoMa) angeboten, von dieser Ausstellung in der Sendung zu berichten. Erfolgreich! Das MoMa wollte seine LIVE-Wetterschalten -eine komplette Sendung lang- von dieser Ausstellung machen.

Mit Satellitenwagen, Moderator, Kamerateams sind der Redakteur und ich zusammen (von Köln aus) am Vortag ACHT Stunden lang angereist. Vor Ort das böse Erwachen: Die gigantische Ausstellung bestand aus einem kleinen, wirklich kleinen(!), weißen Festzelt im Innenhof eines Bauernhofes! Die Hälfte der angekündigten Exponate waren nicht da oder komplett anders als angekündigt, technisch funktionierte vor Ort eigentlich gar nichts. Es musste ein Weidenzaun entfernt werden, damit der Sattelitenwagen überhaupt bis ans das Zelt heranfahren konnte. Den Blick der Crew werde ich wohl nie vergessen.

Es war mir sooooo unangenehm. Irgendwie haben wir die acht Liveschalten am kommenden Morgen zusammen gestemmt. Mein Glück war, dass ich den Redakteur schon sehr lange kannte und er wusste, dass ich ebenso „überrascht“ war von dem, was es vor Ort gab, wie der Rest des Teams…

8. Welche Veränderungen gab es in Ihrer Branche in den letzten Jahren? Sind diese positiv oder negativ?

Viele Printmagazine sind eingestellt worden. Das finde ich wirklich schade. Gerade die Einstellung der „Peolpe“ ist aktuell für unsere Arbeit nicht schön. Auf der anderen Seite ergeben sich durch die vielen neuen Social Media „Plattformen“ jede Menge Chancen. Die Zusammenarbeit mit Bloggern und Youtubern ist ein spannendes Thema und macht sehr viel Spaß.

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  1. Was sind wachsende Trends in der PR Industrie?

Ganz klar: PR darf den digitalen Wandel nicht verschlafen und muss die verschiedenen Social Media Kanäle mit in die Arbeit einbeziehen… Wichtiger wird auch – neben den klassischen Medien – die Zusammenarbeit mit Bloggern und Influencern.

  1. Haben sich die Erwartungen an PR in Ihrem Beruf oder auf Seiten Ihrer Kunden geändert?

Das ist so pauschal schwer zu sagen, da wir Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen haben. Natürlich ist Social Media immer wichtiger geworden. Viele Kunden haben allerdings diesbzgl. auch „Aufklärungsbedarf“…. Einfach mal „Social Media“ zu machen, ohne genau zu wissen mit welchem Ziel, macht keinen Sinn. Eine strategische Beratung ist sehr wichtig.

11. Was tun Sie, um sich in der PR Branche auf dem Laufenden zu halten?

Ich stehe zu Kollegen in der Branche in Kontakt, lese sehr viel, bin auf den unterschiedlichen Plattformen mit erfolgreichen PR-Leuten verbunden und bleibe einfach neugierig.

Alle neuen Social Media Trends probiere ich selber aus, damit ich genau weiß, wie sie funktionieren, um Kunden auch diesbzgl. optimal beraten zu können.

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PRleben bei Snapchat

12. Welche Ratschläge würden Sie jemandem geben, der im Bereich PR anfängt?

Sei neugierig! Lerne Menschen und die verschiedenen Medien kennen. Mache viele Praktika!  Nutze jede Chance raus zu kommen… Mein Chef sagt immer „PR macht man nicht am Schreibtisch!“ und er hat absolut recht damit.

13. Welche Kenntnisse/Fähigkeiten sind im PR Beruf am wichtigsten?

  1. Offenheit
  2. Neugierig
  3. Kreativität
  4. Flexibilität
  5. Kontaktfreudigkeit
  6. …und die Fähigkeit auch mal NEIN zu sagen.
  7. hier etwas ausführlicher.
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4 Gedanken zu “Mein peinlichstes PR-Erlebnis

  1. Piaradise schreibt:

    Wirklich ein schönes Interview!

    Ich finde es immer wichtig herauszustellen, dass PR ohne journalistische Kenntnisse irgendwie nicht funktionieren kann.
    Ich glaube, du bist da das beste Beispiel für 🙂
    Besonders der Spaß am Neuen und die Unvoreingenommenheit sind meiner Meinung nach furchtbar wichtig, um überhaupt in diesem Berufsfeld Erfolg zu haben.

    lg Pia

    Gefällt 1 Person

    • PRleben schreibt:

      Vielen Dank, liebe Pia!
      Ja, ich bin wirklich der Meinung, dass PR ohne journalistische Kenntnisse, großes Interesse und Verständnis für die andere Seite nicht auf Dauer funktionieren kann!
      Offenheit und Neugier sind, wie du schon schreibst, unabdingbar.
      Denke, dass es bei dir ähnlich ist… eine tolle Voraussetzung 😉
      Liebe Grüße
      Verena

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