Warum sich Einzelinterviews in der PR-Arbeit auszahlen…

Von Journalisten in Print, TV und anderen Bereichen wird immer mehr Originalität gefordert. Eine Forderung die dadurch natürlich auch an PR-Menschen gestellt wird. Darüber und über Unternehmen und Vereine, die gute aber auch richtig schlechte PR machen, geht es im Gespräch mit dem TV- und Printjournalisten Jens Prewo.

Jens Prewo, Society-Reporter für TV (RTL, Studio Frankfurt) und das Stadtmagazin Stadtmagazin JOURNAL FRANKFURT PR leben

Jens Prewo, Society-Reporter für TV (RTL, Studio Frankfurt) und das Stadtmagazin JOURNAL FRANKFURT

Was genau ist dein Job und wie bist du dazu gekommen?

Noch querer als ich kann man wohl kaum einsteigen. Heute bin ich Society-Reporter für TV (RTL, Studio Frankfurt) und für das interessanteste Stadtmagazin der Republik, das JOURNAL FRANKFURT. In beiden Medien habe ich meine eigene Ecke. Bei RTL-Hessen eine wöchentliche Videokolumne und im JOURNAL schreibe ich die gesamte Leute-Strecke, inklusive einer Kolumne. Besonders schön für mich ist, dass beide Redaktionen ausdrücklich Meinungsstärke wünschen und honorieren.

Von Haus aus bin ich Diplom-Physiker (experimentelle Kernphysik). Ich habe allerdings früh gelernt, dass nur wenige Physiker als Wissenschaftler arbeiten. Die meisten gehen in die IT und das war nicht so mein Ding. Außerdem war ich während des Studiums als DJ unterwegs, wodurch ich den Einstieg beim JOURNAL FRANKFURT schaffte. Nachdem ich dort die LEUTE-Seite auf mich personalisieren durfte, erschien ein Jubel-Artikel über mich in der Zeitschrift Alegra, der mir die Tür zum TV aufmachte. Ein Jahr Hessischer Rundfunk, danach RTL, zunächst in der Regionalsendung, doch nach einer geglückten Enthüllungsstory wollte Frauke Ludowig mich kennen lernen. Seitdem recherchiere, drehe, reise ich auch für Exclusiv und die anderen Society-Formate der RTL-Gruppe. Aber alles mit der Basis Frankfurt.

Wie kommst du in deinem Job am häufigsten an gute Geschichten, Informationen? Social Media, Newsseiten im Netz, persönliche Kontakte, eigene Recherche…

All of the above. Der Facebook-Messanger ist aber ganz weit oben. Es scheint mir, dass man mich darüber wohl am besten erreichen kann und ich andere Leute – Promis persönlich oder deren Manager – immer bekomme. Das heißt dann wohl auch, dass ich den persönlichen Kontakt (der ja auch online funktioniert) für am Wichtigsten halte. Ich habe aber auch das Glück, dass ich für das JOURNAL im Team mit dem Fotografen Bernd Kammerer toll arbeite. Wir kennen uns in der Frankfurter Society bestens aus. Bei mir ist es ja nicht so, dass ich ständig nach Geschichten Ausschau halte, meine Arbeit besteht eher darin, eine Geschichte hinter der Geschichte zu entdecken. Und dafür ist die Kommunikation mit einem Kollegen wahnsinnig wertvoll.

Was bedeutet für dich gute PR? Kannst du sagen, welche Eigenschaften ein guter PR-Mensch mitbringen sollte?

Ein guter PR-Mensch muss selbst journalistisch denken. Ich selbst versuche mich ja auch in das Gegenüber hinein zu versetzen. Neulich verlangte die PR-Abteilung eines Frankfurter Luxushotels meinen gesagten Text zur vorherigen Abnahme. „Die FAZ schickt uns auch immer vorher die Texte zur Abnahme“. Das geht natürlich nicht. Zitate können autorisiert werden, wenn es sein muss und vorher abgestimmt war. Da ich schon lange in Frankfurt aktiv bin, ist natürlich Nachhaltigkeit das Allerwichtigste. Auch wenn es kritische Veröffentlichungen gibt, muss man danach bereit sein, miteinander zu reden. Und: wenn ein PR-Mensch etwas anbietet, sollte er oder sie auch in der Lage sein, auf Änderungswünsche der Journalisten einzugehen. Meist kommt man nämlich so zu noch besseren Geschichten und vor allem: Zu einem längeren Beitrag in der RTL-Sendung oder einem längeren Text in der Zeitschrift.

Kannst du dich an eine PR-Aktion erinnern, die du richtig gut fandest?

Die AUDI-Kollaboration mit dem Frankfurter Star-Fotografen Mayk Azzato war immer interessant. Die Events hatten Glamour und es war immer die Möglichkeit Backstage-Geschichten zu entwickeln. Der Zugang zu den Stars hat gestimmt und deshalb hatten die Geschichten auch eine große Reichweite.

Was sollte ein PR-Mensch im Job auf jeden Fall vermeiden? Gab es mal ein negatives PR-Erlebnis?

Schlecht ist, wenn die PR-Seite zu verkrampft auf ihrer Geschichte bestehen will. Heute wird vonseiten der Redaktionen auch im täglichen Geschäft ein Maß an Originalität gefordert, der früher nur im Magazin-Journalismus, also in wöchentlichen oder monatlichen Publikationen gefordert war. Das muss verstanden werden. Dann sind wir eigentlich safe. Besonders schlechte PR macht Eintracht Frankfurt. Aber sie sind ja auch noch beinahe stolz darauf, dass es so ist. Das kommt wohl auch daher, dass sie mit TV-Exklusivpartnern arbeiten, die ja noch sehr viel Geld für Übertragungsrechte zahlen. Früher waren die Radiostationen auch gute Partner, das hat sich leider auch geändert.

Du bekommst ja viele Angebote von PR-Menschen, welche Angebote sind dir am liebsten und womit kannst du gar nichts anfangen?

Ich freue mich über alle Angebote. Weil man über alles erst einmal nachdenken sollte. Ein Angebot sollte aber als Gesprächsbeginn gesehen werden. Es muss gar nicht unbedingt eine exklusive Geschichte sein, aber ein exklusiver Zugang sollte sein, wenn es um Celebrities geht. Sprich: Einzel-Interview oder noch besser Einzeltermin im Rahmen eines größeren Termins, wo Platz für eine eigene Geschichten und Spontaneität ist. Sonst wandert die Story ganz schnell in den Kurzblock… Die PR-Message wird umso besser rüber kommen, je happier die Redaktion ist.

Welches Unternehmen / welche Marke leistet deiner Meinung nach richtig gute Öffentlichkeitsarbeit und warum,… was beeindruckt dich daran?

Da gibt es echt viele, es ist schwer einzelne hervorzuheben. Im Frankfurter Raum macht das Kempinski Hotel Gravenbruch (Agentur: BallCom) einen guten Job. Auch wenn sie einem nicht helfen dürfen, kommt die Absage respektvoll. Und die Geschichten, die sie anbieten, haben Hand und Fuß. Auch das Frankfurter Oktoberfest (No Limit) ist ein gutes Beispiel. Selbst bei ausverkauften Veranstaltungen ist das Zelt für uns offen. Wenn man Journalisten nämlich immer nur die Events anbietet, die nicht gut laufen, ist das keine gute Zusammenarbeit. Die großen Marken mit guter PR sind natürlich Red Bull und AUDI.

Könntest du dir vorstellen vom Journalismus in die PR zu wechseln? Warum /warum nicht?

Ich glaube nicht, dass die PR mich gebrauchen könnte. Dafür bin ich wohl zu meinungsstark und mitteilungsfreudig. Was mir ab und an Spaß macht, ist ein bisschen Mediencoaching. Aber ich bin als Journalist schon sehr zufrieden. Zumal sich auf der Technikseite ja so viel tut. Besonders, dass TV-Beiträge heute auf dem Laptop in Sendequalität entstehen können, eröffnet viele, tolle Möglichkeiten.

Vielen Dank, Jens!

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2 Gedanken zu “Warum sich Einzelinterviews in der PR-Arbeit auszahlen…

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