„Gute PR nimmt ihre Zielgruppen ernst!“

Es gibt leider immer noch Mitarbeiter in der PR die denken: „Viel hilft viel.“ Und hauen einfach mal jedes Thema an jeden raus den sie kennen und schauen, ob vielleicht irgendwo etwas hängen bleibt.

Gute Kommunikatoren arbeiten anders. So wie Christian Bölling, der Gründer von Heldenmood.  Im  PRleben-Interview spricht  er  über  gute  PR, Mut, Flexibilität, gute Bücher, seinen Lieblingspodcast und vieles mehr!

PRleben, Verena Bender, PR Blog, Be your Brand, Podcast, Kommunikation, Interview, Personal Branding, Medienprofi

Was genau ist dein Job und wie bist du dazu gekommen?

Ich bin Gründer von Heldenmood. Wir nutzen zeitgemäße PR, um Ideen zum Durchbruch zu verhelfen.

Dazu gekommen bin ich eigentlich während meines vorherigen Jobs als „Head of Corporate Communications“ bei MediaMarktSaturn. Dort war es der Job meines Teams zu erklären, wozu man einen klassischen Händler braucht, wo es doch Amazon gibt. Wir definierten dazu unsere Rolle in der digitalen Welt – und kommunizierten diese mit glaubwürdigen Personen in Presse, Social Media und auf Events.

Dieser Ansatz funktionierte so gut, dass wir später sogar jedem Mitarbeiter die Möglichkeit dazu gaben, zum Corporate Influencer – einem „Social Media Hero“ – zu werden.

Heute biete ich diese Themen anderen Unternehmen an, denn erstaunlicherweise liegt der Bereich „zeitgemäße Corporate PR“ relativ brach. Agenturen, die sich im digitalen Raum auskennen, haben meist keine Corporate-Erfahrung. Und Corporate Agenturen sind sich häufig zu fein für die täglichen Untiefen der sozialen Medien.

Hast du so etwas wie einen typischen Arbeitstag? Wie sieht der aus?

Morgens verschaffe ich mir erstmal einen Überblick über die Nachrichtenlage. Dazu lese ich Gabor Steingarts Morning Briefing, SZ und Handelsblatt. Dann schaue ich in diverse andere Newsletter rein.

Der Rest des Tages teilt sich auf in drei Bereiche: Erstens persönliche oder telefonische Gespräche im Team, mit Kunden, Journalisten und anderen Kontakten. Zweitens, Ideen entwickeln und in die Tat umzusetzen. Drittens, lesen, zuhören und mich inspirieren lassen.

Was bedeutet für dich gute PR? Kannst du sagen, welche Eigenschaften ein guter PR-Mensch mitbringen sollte?

Gute PR nimmt ihre Zielgruppen ernst – sie verzichtet also darauf, irgendeinen Schrott abzuliefern, der einen selbst nie interessieren würde.

Ein guter PR-Mensch braucht deshalb ehrliches, breites Interesse und Mut.

Ehrliches Interesse, weil jedes Unternehmen erzählenswerte Geschichten hat. Und Mut, weil man solange beharrlich nachhaken muss, bis man diese interessante Geschichte gefunden hat. Zudem macht man in der PR dauernd Dinge zum ersten Mal. Da muss man quasi wöchentlich ins kalte Wasser springen. Auch das erfordert Mut.

Was ist dir persönlich im Umgang mit Journalisten / Berichterstattern wichtig?

Ich weiß, dass ich nur erfolgreich sein kann, wenn sie es auch sind. Ich möchte ihnen deshalb richtig gute Geschichten liefern. Und ich möchte, dass sie mir jederzeit vertrauen können.

Welchen drei Medien misst du die meiste Bedeutung bei? Bitte begründe kurz.

Wie bei allem: Es kommt drauf an!

Startups können sehr viel Resonanz über klassische Medien erzielen – für viele von ihnen ist ein Clipping in Handelsblatt, FAZ oder auch Branchenmedien wie die Lebensmittel- oder Immobilien Zeitung Gold wert.

Bei Top-Managern hingegen kann ein Interview in einem Podcast oder ein LinkedIn-Post deutlich wirkungsvoller sein. Hier sind die Medien schon eine Message für sich. Sie stehen für den Kulturwandel, den viele Unternehmen in Zeiten von Digitalisierung und Fridays for Future brauchen.

Wie wichtig ist das Thema Personal Branding für dich? Wen betrifft dieses Thema in deinen Augen?

Ich glaube, dass Menschen sich für Menschen interessieren – und deutlich weniger für Unternehmen oder Marken. Deshalb ist es wichtig, dass Personen für Unternehmen in Erscheinung treten!

Das gilt übrigens auch für interne Kommunikation. Ich nenne diese Art der Kommunikation allerdings nur selten Personal Branding, weil viele Gesprächspartner bei dem Begriff an eitle Gockelei denken – aber das ist natürlich nicht gemeint.

Kannst du dich an eine PR-Aktion erinnern, die dich begeistert hat? Wenn ja welche und warum?

Ich bin beeindruckt davon, was Alexander Graf mit Kassenzone geschafft hat.

Kassenzone gibt es seit den 2000er Jahren. Und es ist zu einem der wichtigsten Branchenmedien für den Handel geworden. Alex ist aber eben nicht nur Branchenanalyst, sondern auch CEO von Spryker, einem – von außen betrachtet – ziemlich erfolgreichen Shopsystem-Hersteller.

Ich glaube, dass der Erfolg von Spryker und sein Blog sehr eng zusammenhängen. Da er bei Spryker im Grunde Erkenntnisse aus der Arbeit im Blog in die Tat umsetzt. Dadurch ist Kassenzone vermutlich das erfolgreichste und nachweisbar einflussreichste Content Marketing Format in Deutschland.

Sowas ist für mich moderne Kommunikation. Sie hat einen wirklichen Impact – und baut nicht allein auf Knalleffekte.

Was würdest du einem jungen Menschen raten, der nach dem Abi in die Kommunikationsbranche möchte? Welchen Weg sollte er einschlagen?

Wir brauchen in der PR ganz vielfältige Leute, da wir ja sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Themen erreichen wollen.

Ich finde es deshalb absolut ok, wenn Leute PR studiert haben – freue mich aber auch über Informatiker*innen, Biolog*innen und Jurist*innen.

Wie stehst du zu Pressemitteilungen?

Es gibt Heldenmood seit sechs Monaten. Wir haben eine Pressemitteilung versendet. Sie ist also ein Tool unter vielen.

Verrätst du uns drei Bücher / Podcasts oder Blogs die dich beruflich/ persönlich weitergebracht haben und du Kommunikatoren empfehlen kannst?

Nassim Taleb – Der Schwarze Schwan. Zu wissen, dass immer die Dinge passieren, mit denen wir nicht rechnen, ist ein gutes Argument dafür, sich ständig in den Wandel zu stürzen.

Marcus John Henry Brown – A wicked Pack of Cards. Marcus hat ein ziemlich verrücktes Gedicht geschrieben, wie er sagt „über die moderne Arbeitswelt und wie man sich darin verlieren kann.

Talking Digital Podcast – Sachar war mein erster Social Media Kontakt, Timo kam kurz danach. Beide haben vor einigen Jahren einen super PR-Podcast gestartet. Die beiden haben sich nun  mit Kristin Dolgner Verstärkung dazu geholt.

Vielen Dank, lieber Christian.