„Nichts kann ein persönliches Gespräch ersetzen!“

Sie ist eine der Kommunikatorinnen, deren Namen jeder in der Branche kennt: Kristina Faßler. Sie hat für den Fernsehsender N24 gearbeitet. Vor einiger Zeit hat N24 mit einer Print-Marke fusioniert und daraus wurde WELT. Kristina Faßler leitet hier die Kommunikation und darüber hinaus auch die Teams Marketing und Sales.

Im PRleben Interview spricht die ehemalige Bio-Lehrerin darüber, was sie von Pressemitteilungen hält, welche Twitter-Kanäle ihre liebsten sind, welche Kommunikations-Fails sie selber schon hinter sich hat, was ihr bei ihrem Team wichtig ist und vieles mehr.

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Kristina Faßler, Sendersprecherin WELT
(Foto: Sebastian Laraia)

Was genau ist dein Job und wie bist du dazu gekommen?

Ich verantworte die Kommunikation für die Sender WELT und N24 Doku und bin die Sendersprecherin.  Dazu gehören PR, Marketing, Salessteuerung, Design… Außerdem ist die Markenführung von WELT mein Job. Ich feiere jeden Tag, dass wir Kommunikation absolut ganzheitlich denken können und dafür die Expert*innen im Team haben.

Wie bin ich dazu gekommen? Ich bin über die meine naturwissenschaftliche Facette zum Journalismus, von da zur PR, später auch Marketing und Sales gekommen. Wenn man in die Details geht, hat es eine Logik, vor allem aber ist es bis heute immer wieder sehr viel Neues.

Was bedeutet für dich gute Kommunikation? Kannst du sagen, welche Eigenschaften ein guter Kommunikator mitbringen sollte?

Exzellente Kommunikation kann entstehen, wenn sie wirklich aus der Zielgruppenperspektive entwickelt ist und alles Selbstverliebte abstreift.

Die Eigenschaften guter Kommunikator*innen? Einige. Zuallererst zuhören können. Inklusive Zwischentöne. Empathie. Ehrlichkeit. Ein eigener Stil und dabei Exzellenz im Umgang mit Sprache, sowie Meinungsstärke verbunden mit dem Mut, diese auch zu äußern.

Ist die Digitalisierung für die Kommunikationsbranche Chance oder Risiko?

Riesen Chance. Die Vielfalt der Kanäle. Die Möglichkeiten zu kommunizieren. Zahlen. Das ist ein großes Glück.

Welchen Stellenwert hat Social Media für dich? Welches sind deine drei liebsten Plattformen und warum?

Ganz vorn: Twitter. Weil aktuell, schnell und auf den Punkt. Blitzsauber, um sich fix abzudaten.

Auf den Plätzen:

LinkedIn. Ganz stark für alle Themen rund um meinen Job. New Work. Digitalisierung. Marketing. PR. KI… LinkedIn ist für mich der substanzielle Veränderungstreiber. Top.

Instagram. Mal abgesehen davon, dass mein 15-jähriger Sohn darüber quasi mit mir kommuniziert, ist Instagram einfach bildstark und eine tolle Verbindung zu Freund*innen und Kolleg*innen. Super innovativ in den Erzählformen und als Kommunikationskanal für die Sender und eher jüngere Zielgruppen ein Muss.

Wie wichtig ist es dir, dass dein Team auf Social Media aktiv ist?

Es gibt nicht nur Digital Natives, sondern auch Social Natives. Leute, die die Kanäle intuitiv verstehen, sich mit großer Sicherheit und dieser feinen Leichtigkeit darin bewegen. Das ist ein echter Vorteil und Vorbild. Es ist mir wichtig, solche Kolleg*innen im Team zu haben.

Dogmatisch bin ich nicht. Es gibt in meinem Team auch Leute, die nicht auf Social Media aktiv sind und einen 1a-Job machen.

Worauf achtest du bei Menschen die du in dein Team holst?

Auf Authentizität, die Lust auszuprobieren, Neues zu lernen und sein Wissen zu teilen. Das ist mir wichtiger als eine riesen Erfahrung und Perfektionismus. Außerdem habe ich permanent im Kopf, wer was im Team außergewöhnlich gut kann. Idealerweise ergänzt diese Person das noch. Da ich das seit Jahren ganz bewusst mache, habe ich eine echt genial diverse Mannschaft. Im allerbesten Sinne.

Du bist auch auf Twitter sehr aktiv. Welchen drei Kanälen/Personen sollten Kommunikatoren folgen?

Puuh. Nur drei!?

@TijenOnaran: Tijen, ist die beste Networkerin. Die allerbeste. Das allein ist es aber nicht. Sie ist klug, klar nach vorn ausgerichtet, sehr differenziert, schreibt, talkt und moderiert brillant und ist ein herzlicher Mensch.

@Nisalahe: Niddal Salah-Eldin (Stellv. Chefredakteurin dpa) ist für mich Miss Innovation. Sie lebt das und spürt echte Innovationen, gerade auch in der Medienbranche, fast intuitiv auf. Außerdem ist Niddal eine wunderbare Frau und auch das spürt man.

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Kristina Faßler, Sendersprecherin WELT
(Foto: Sebastian Laraia)

@beyond_ideology: Wenn wir die Klimakrise nicht in den Griff bekommen, ist alles, worauf wir als Menschen so stolz sein können, umsonst gewesen. Hört sich vielleicht pathetisch an. Ist aber nüchtern betrachtet so. Maja Göpel ist Politökonomin, Expertin für Klimapolitik und Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. Wenn man ihr folgt, ist man zum Thema Klima gut informiert.

Wie wichtig ist das Thema „Personal Branding“ für dich? Wen betrifft es in deinen Augen?

Super wichtig und hilfreich. Es zwingt dazu, sich selbst zu hinterfragen. Ich ermutige aus tiefer Überzeugung zur Sichtbarkeit. Sie ermöglicht eine Vernetzung mit Menschen, die gleiche Talente, Herausforderungen haben. Personal Branding lässt einen einfach besser werden.

Wie wichtig findest du persönliche Kontakte im digitalen Zeitalter?

Im Digitalen vernetzt zu sein ermöglicht eine Kontakt- und Themenvielfalt, die anders gar nicht möglich wäre. Aber nichts, absolut gar nichts, kann ein persönliches Gespräch ersetzen.

Für wie relevant hältst du Pressemitteilungen?

An rebellischen Tagen, die bei mir durchaus vorkommen, halte ich sie für vollkommen überflüssig. Nein, im Ernst: Um etwas sehr präzise zu sagen, kann sie sehr hilfreich sein.

Es ist aber so viel stärker, wenn auch wir Kommunikator*innen anstreben, dass jede Geschichte/Info wirklich bestmöglich aufbereitet ist. Also Text, Foto, Grafik, Motiondesign, Video. einsetzen. Das bedeutet einen echten Wandel, auch der Expertise in den Teams.

Wie stehst du zum Thema „nachtelefonieren“?

Ich mag den Begriff nicht. Da steckt etwas von „auf die Nerven gehen“ drin. Telefonieren, weil man eine Idee hat: wunderbar.

Gab es in deiner Laufbahn auch mal einen richtigen PR-Fail? Wie sah der aus und wie bist du damit umgegangen?

Lange Laufbahn. Viele Fehler. Zuviel gleichzeitig gewollt. Jemandem vertraut und sich dabei geirrt. Nicht klar genug nein gesagt. Falsches Timing … Der Umgang damit?

Nicht „rumeiern“. Sich den Fehler eingestehen. Klar sagen, was los ist. Sich in die neu entstandene Situation hineinversetzen und aus dieser heraus pragmatisch handeln. Mit Schuldzuweisungen verliert man übrigens Zeit.

Danach: Transparente Fehleranalyse. Aus Fehlern können ja zum Glück mehr Leute lernen, als nur diejenigen, die ihn gemacht haben.

Woher nimmst du deine Inspiration?

Aus meinem beruflichen und privaten Netzwerk. Ich bin froh darüber, dass es Leute mit ganz verschiedenen Lebenssituationen – selbstständig, angestellt, jünger, älter – völlig unterschiedlichen Herausforderungen und Problemen sind. Ich lese viel. Allesmögliche.

Mein Notizbuch für Ideen ist die Foto-App meines Smartphones. Ich fotografiere ständig. Alles was ich gut, besonders, verrückt… finde.

Wie wichtig findest du gute Bilder für PR? Was braucht ein gutes PR-Bild?

Bilder sind gut, wenn sie die Aussage/Geschichte wirklich unterstützen. Auch hier ist der Nutzerfokus hilfreich. Einfache Frage. Ehrliche Antwort: Was löst das Bild aus?  Leistet es einen echten Beitrag zur Kommunikation? Auf welchen Kanälen funktioniert es?

Kannst du dich an eine PR-Aktion erinnern, die dich begeistert hat? Wenn ja welche und warum?

Ja. Richtig gut hat  Nick Marten, der Pressesprecher von Otto, agiert, als er in der ganzen Diskussion um E-Scooter den „eigenen“ E-Roller zum monatlichen Festpreis kommuniziert hat. Perfektes Timing. Die Vorteile klar formuliert. Gut aufbereitet… Einfach mal bei Nick (@zunicker) schauen. Da ist das gut nachvollziehbar.

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Kristina Faßler, WELT Sendersprecherin
(Foto: Sebastian Laraia)

Was würdest du einem jungen Menschen raten, der nach dem Abi in die Kommunikationsbranche möchte? Welchen Weg sollte er einschlagen?

Du musst keinen gradlinigen Weg gehen. Probiere dich aus. Dann erkennst du, was wirklich dein Ding ist. Suche dir Menschen, die dich dafür schätzen, wie du bist, die das Potential in dir erkennen, fördern und ehrlich zu dir sind. Außerdem: Vernetze dich.

Verrätst du uns drei Bücher /Podcasts oder Blogs die dich beruflich/ persönlich weitergebracht haben und du Kommunikatoren empfehlen kannst?

Ich entscheide gern und finde das Thema spannend. Wann kann ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen? Wann besser nicht?… Deshalb ist „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman so etwas wie meine persönliche Bibel.

Außerdem kann ich Podcasts dringend empfehlen. Sie sind maximal authentisch und man hört so viele kluge Sachen von faszinierenden Leuten. Ich nenne jetzt nur zwei, obwohl deiner auch genial ist, liebe Verena. Der „Role Models“-Podcast von Isa Sonnenfeld und David Noel und „How to Hack“ von Business Punk mit Tijen Onaran als Host.

Vielen Dank, liebe Kristina!