„Ich halte nichts davon, immer erreichbar zu sein!“

Die Frau, die die -für mich- spannendsten Drehreisen überhaupt gemacht hat, deren Stimme inzwischen ihr Kapital ist und die sich von dem ganzen Medienzirkus nicht verrückt machen lässt: Katharina Lichtblau. Im PRleben Interview spricht sie über ihre persönlichen Inspirationsquellen, was gute PR für sie braucht, wen sie gerne mal für ihren Podcast vors Mirko bekommen würde und vieles mehr…

Ist dein Nachname echt oder ein Künstlername?

Das werde ich in der Tat sehr oft gefragt und antworte immer mit einem Grinsen im Gesicht: „Echt! Einfach den richtigen Mann geheiratet!“

Was genau ist dein Job und wie war dein Weg dorthin?

Als Teenie habe ich angefangen für ́s Fernsehen zu drehen, ich war in diversen Filmen und Serien mit beispielsweise Anke Engelke oder Axel Stein zu sehen.

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Katharina Lichtblau
(Foto: © Oliver Lichtblau)

Nach dem Abi habe ich dann eine richtige Schauspielausbildung gemacht, weil es mir immer wichtig war, die Grundlagen zu erlernen. Kaum hatte ich meinen Abschluss in der Tasche, hat auch schon der Tigerentenclub an meine Tür geklopft, die haben damals eine neue Moderatorin gesucht und nach etlichen Castings und Gesprächen mit sämtlichen Chefs, wurde ich dann aus 600 weiteren Mädels ausgewählt.

Das war eine sehr aufregende Zeit und ich habe über die Jahre viele tolle Sachen erlebt, habe auch andere Formate und auf der Bühne moderiert und bin durch die Moderation beim Sprechen gelandet. Wir haben damals unsere MAZen selbst vertont, wodurch ich gemerkt habe, dass es mir unfassbar viel Spaß macht, allein mit meiner Stimme Fakten und Emotionen zu vermitteln.

Und das ist auch mein heutiger Beruf: ich bin Sprecherin. Meine Stimme hört man in der Werbung, als Voice Over bei Dokumentationen, in Hörspielen, Hörbüchern, im Radio als Stationvoice und im Kino und Fernsehen beim Synchronisieren.

Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?

Wie die meisten Menschen im Medienzirkus, habe auch ich keinen typischen Arbeitsalltag. Was auf jeden Fall bei mir dazu gehört: ich bin sehr viel unterwegs, bin in Studios in Köln, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und München und dank der fortschreitenden Technik kann ich auch viele Aufnahmen in meinem Homestudio machen.

Deine Stimme ist dein Arbeitswerkzeug. Pflegst du sie auf eine bestimmte Art? Gibt es Dinge die tabu sind, damit die Stimme keinen Schaden nimmt?

Ich bin recht entspannt, was meine Stimme angeht. Zum Glück bin ich sehr, sehr selten krank, das ist ein absolutes Geschenk bei meinem Job. Vor großen Jobs mache ich ein Aufwärmprogramm für meine Stimme – ein Sportler würde ja auch niemals einen Sprint ohne Aufwärmtraining hinlegen.

So ähnlich kann man sich das auch bei der Stimme vorstellen: wenn ich beim Synchron richtig laut werden, weinen oder sogar schreien muss und meine Stimme nicht aufgewärmt ist, gleicht dies einem Kaltstart. Das ist natürlich nicht optimal für die Stimme, deshalb mache ich regelmäßig mein ganz persönliches Einsprechtraining, das ich mir über die Jahre erarbeitet habe, mit diversen Übungen für den Stimmsitz und die Artikulation. Aber so typisch Schal tragend und ausschließlich Tee trinkend sieht man mich nie.

Hast du hin und wieder mit PR-Managern zu tun? Bzw. bekommst du Angebote von ihnen oder war das schon mal so?

Als ich noch im Fernsehen tätig war, hatte ich ein Management, das meine kompletten Buchungen inkl. Gagenverhandlungen und auch die PR übernommen hat. Mittlerweile mache ich alles selbst, deshalb fallen PR-Termine weitestgehend weg. Ich rufe ja nicht selbst irgendwo an und frage ob ich auf einen roten Teppich zur Premiere von XY oder der Store-Eröffnung von jemandem kommen darf.

Aber ehrlich gesagt, fehlt es mir auch nicht, ansonsten würde ich es vielleicht tun und um Freikarten und PR-Samples betteln. Die Anfragen, die mich über Instagram erreichen, wähle ich sehr bedacht aus: generell denke ich, dass alles irgendwie auf der persönlichen Ebene passen muss.

Was sollten gute PR-Leute tun und was sollten sie möglichst unterlassen?

Ein gutes Miteinander ist immer das Beste! Du musst dich als Künstler wohlfühlen, dann kommt vieles von ganz von allein. Was gar nicht geht, ist wenn PR-Berater von einem Dinge verlangen, die man nicht möchte: den Partner aus taktischen Gründen verleugnen, sich bei einer Veranstaltung blicken lassen, mit der man überhaupt nichts am Hut hat etc. Ich spreche da aus eigener Erfahrung und weiß, dass das nie gut endet.

Kannst du dich an eine PR-Aktion erinnern, die dich begeistert hat? Wenn ja welche und warum?

Formate wie „Die Höhle der Löwen“ oder „Sing meinen Song“ sind ja eigentlich reine PR- Formate, aber unfassbar gut verpackt. Niemand sagt: „Kauf das!“, sondern man lernt den Menschen hinter dem Produkt kennen und möchte ihn, wenn man ihn sympathisch findet, unterstützen. Da wird das Produkt auf einmal zweitrangig. PR-Aktionen, die die Persönlichkeit in den Vordergrund stellen, catchen mich immer wieder!

Du hast einen wunderbaren Podcast bei dem es um Themen aus dem Medienzirkus geht. Welche drei Menschen würdest du gerne mal dafür vors Mikro bekommen?

Anke Engelke – Aus Nostalgiegründen. Mit ihr hatte ich meinen aller ersten Drehtag als Schauspielerin mit 15 Jahren und liebe seitdem ihre ehrliche, selbstironische Art. Sie nimmt sich selbst nicht zu ernst, unterscheidet nicht zwischen Crew und Cast und bringt mich absolut zum Lachen. Sehr gute Frau!

Stefan Raab – Eine harte Nuss, aber ich liebe Herausforderungen! Keiner sägt an dem Ast, auf dem er sitzt, deshalb können die wenigsten Menschen, die im Medienzirkus tagtäglich arbeiten, ehrlich über ihre Erfahrungen berichten. Stefan Raab hingegen hat sich Ende 2015 endgültig von der Bildschirmfläche verabschiedet und hat bestimmt einige sehr unterhaltsame Storys von hinter den Kulissen zu berichten.

Barack Obama – Think BIG 😉

Was sind drei Dinge, die dir im Medienzirkus so richtig auf die Nerven gehen… Zumindest an Tagen, an denen du sie nicht mit Humor nehmen kannst?

Ungerechtigkeit. Oberflächlichkeit. Machtspielchen! Da hilft auch kein Humor 😉

Dein einprägsamstes Erlebnis im Medienzirkus bisher?

Puuh, in den letzten Jahren ist so unfassbar viel passiert, dass ich ein Erlebnis allein gar nicht wirklich herauspicken kann. Aber wahrscheinlich waren es die Drehreisen, die ich für den Tigerentenclub gemacht habe.

Wir sind um die halbe Welt geflogen, um den Kindern fremde Kulturen und Menschen anhand von kleinen Filmchen näher zu bringen. Wir waren auf Spitzbergen und haben dort zum Beispiel ein Überlebenstraining absolviert: schießen lernen, für den Fall, dass uns ein Eisbär überrascht, und Schwimmen im eiskalten Meer.

In Israel und Dubai waren wir mit Beduinen in der Wüste unterwegs, im teuersten Hotel und auf dem höchsten Gebäude der Welt, in Rom durften wir fast drei Wochen hinter die Kulissen des Vatikans blicken inklusive mehrerer Papst-Dates und in New York haben wir zum einen das Leben der Jugendlichen in der Bronx gezeigt, Obdachlose, die nicht wissen, wie sie den kommenden Tag überstehen sollen, Dumpster Diver, die allabendlich in New Yorks Müllcontainern nach Essen suchen, und zum anderen haben wir die Schönen und Reichen bei ihren Einkäufen auf der 5th Avenue begleitet – ein Unterschied wie Tag und Nacht. Zwei komplett verschiedene Welten in einer Stadt.

Die Reisen waren immer sehr eindrucksvoll, weil wir viel mehr als das typische Touriprogramm erlebt haben und mit dem Status „German Television“ überall hinter die Kulissen blicken durften.

Welches sind deine drei liebsten Plattformen im Netz und warum?

Instagram, Instagram, Instagram. Eigentlich die einzige Plattform auf der ich regelmäßig und vor allem gerne aktiv bin. Die Mischung aus Stories, die authentisch einen Einblick in den Alltag der jeweiligen Person geben, und dem Feed, bei dem die Bilder im Vordergrund stehen, man aber trotzdem die Möglichkeit hat ein paar Gedanken loszuwerden, ist für mich absolut perfekt.

Wie schwer fällt es dir, dein Smartphone mal wegzulegen?

Eigentlich bin ich ziemlich gut darin. Mein Handy verschwindet gerne mal im Rucksack und wird erst Stunden später wieder rausgeholt. Ich halte nichts davon, immer erreichbar zu sein. Ich habe ja eine Mailbox mit einer freundlichen Ansage, da können die Menschen, die etwas von mir wollen, ebenso freundlich eine Nachricht für mich hinterlassen.

Siehst du die Digitalisierung eher als Chance oder als Risiko?

Absolut als Chance! In der heutigen Zeit ist es möglich, sich mit Gleichgesinnten auf der ganzen Welt zu vernetzen. Aus Online-Bekanntschaften werden oft Offline-Freundschaften. Wir können 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche kostenlosen Content über YouTube inhalieren, Fragen Google nach Rat, wenn wir etwas nicht wissen und freuen uns über Inspirationen zu den diversesten Themen auf Pinterest. Uns stehen auf einmal so viele Möglichkeiten zur Verfügung, so viele offene Türen – wir müssen nur durch sie hindurchgehen.

Welche drei Bücher, Blogs oder Podcasts haben dich persönlich inspiriert?

Der perfekte Arschtritt für alle, die gerne prokrastinieren: Podcast: „Smart Entrepreneur Radio“ von Matthew Mockridge Wenn man mal wieder meckert, nörgelt und sich über den Tag, der mies gelaufen ist, aufregt – es gibt Menschen, denen viel Schlimmeres widerfährt, die aber nicht jammern, sondern ihr Bestes geben, die Steine, die ihnen in den Weg gelegt werden, zu beseitigen.

Roman nach einer wahren Geschichte: „Heute bin ich blond: Das Mädchen mit den neun Perücken“ von Sophie van der Stap. Und um Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen – eigentlich ist es doch das, worum es generell im Leben geht  – das Buch: „Gesundheit für Körper und Seele“ von Louise L. Hay.

Vielen Dank, liebe Katharina.