Mythos Pressekonferenz

„Ehemalige Topmodel-Gewinnerin moderiert unseren Event kommende Woche und eine bekannte deutsche Popband wird nen neuen Song performen.“ Hm, OK! „Wir haben etwas zu verkünden!“      –dann machen wir am Besten mal (K)eine Pressekonferenz!

Viele Kunden gehen noch immer davon aus, dass eine Pressekonferenz (PK) ein wunderbares Mittel ist, um Infos an Journalisten zu transportieren und anschließend in den Medien stattzufinden.

Diese Denke ist allerdings ziemlich latest. Zumindest was den Entertainmentbereich angeht. Eine Pressekonferenz der Polizei zu einem aktuellen Vorfall oder PKs in der Politik und Wirtschaft sind – je nach Newswert – etwas anderes.

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Leerer Presseraum…

„Wir machen demnächst eine Awardshow und damit genug Tickets verkauft werden oder einfach die Aufmerksamkeit im Vorfeld entsteht, veranstalten wir eine Pressekonferenz“. PR-Manager, die sich in ihrem Job auskennen, werden jedem Kunden ganz dringend von diesem Vorhaben abraten und PR-Leute, die eigentlich wissen, dass es eine dumme Idee ist, sich aber nicht trauen den Mund aufzumachen, werden anschließend ein großes Problem haben.

Spätestens wenn sie vor Ort sind, die teure PK organisiert wurde, aber kein Journalist auftaucht! Schwarzmalerei? Nein! Erfahrung. Aber dazu später!

Warum niemand mehr zu Pressekonferenzen kommt

Woran liegt es, dass viele Pressekonferenzen kaum noch besucht werden? Vor allem daran, dass die Redakteure einfach keine Zeit mehr haben, solche „überflüssigen“ Veranstaltungen zu besuchen. Der Zeitaufwand zu einer PK hinzufahren, sich roundabout eine Stunde „Gerede“ anhören, und dann wieder zurückfahren, lohnt sich wirklich nur dann, wenn etwas Spektakuläres verkündet wird, dass nicht am Telefon oder per Mail mitgeteilt werden kann.

Klar gibt es auch in der Entertainmentbranche Momente, in denen sich eine Pressekonferenz lohnt: wenn jemand Robbie Williams persönlich sein neues Album vorstellt und nur in diesem Rahmen Journalistenfragen zu seinem Werk beantworten möchte, dann sollten PR-Manager das Ding natürlich umsetzen.

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Journalisten brauchen einen Mehrwert

Auch wenn tolle Schauspieler persönlich ihren neuen Film vorstellen, kann sich eine PK durchaus lohnen. Wobei diese ziemlich überflüssig ist, wenn sowieso eine Kinopremiere mit Red Carpet und Interviewterminen geplant ist. Eine Pressekonferenz muss Redakteuren einfach einen Mehrwert liefern. Einen echten!

Viel zu oft denken die „Aussender“ einer Botschaft, dass es Leser und Zuschauer einfach brennend interessieren muss, wenn eine ehemalige Topmodel-Gewinnerin (oder TV-Moderatorin) eine Awardverleihung in der Folgewoche moderiert. Aber ganz ehrlich: WAS sollte daran für den Empfänger interessant sein!?

Möglicherweise wird diese Verleihung nicht mal im Fernsehen übertragen, so dass sowieso nur geladene Gäste etwas von der Moderatorin haben. Dann reicht auch einfach eine Erwähnung in der Gäste-Einladung. Kein Medium wird eine Veranstaltung ankündigen, die von den eigenen Lesern, Usern, Zuschauern sowieso nicht wahrgenommen werden kann.

Die verzweifelte Suche nach Teilnehmern

Als ich -vor mehr als zehn Jahren- begonnen habe, in der Entertainment-PR zu arbeiten, war es noch recht üblich, für fast alles und jeden eine Pressekonferenz zu veranstalten. Aber schon zu der Zeit war das größte Problem nicht, die Suche nach einem Raum, die Vorbereitung der Statements für die einzelnen Teilnehmer oder das Ordern der Verpflegung. Das Schwierigste war ganz eindeutig, Journalisten dazu zu bewegen, ihre anderen Aufgaben ruhen zu lassen, sich aus der Redaktion zu bewegen und die Pressekonferenz zu besuchen.

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Eine PK und keiner geht hin…

Ich erinnere mich an Telefonate, bei denen ich all meine Gefallen, die ich irgendwann mal gesammelt hatte einlösen musste. Das Ganze mit einem „dann sehen wir uns doch endlich mal wieder und ich habe auch noch zwei andere Themen, die ich nur persönlich mit dir besprechen kann“ garniere und dann einfach nur hoffe, dass die betreffende Person wirklich auftaucht.

Es gab Pressekonferenzen, vor denen wir aus der entsprechenden Stadt Freunde und Verwandte eingeladen haben, um den Raum zu füllen, so dass der Kunde das Gefühl bekommt, eine große Resonanz auf diese (überflüssige) Veranstaltung zu haben. Ich erinnere mich auch an eine PK, ich glaube es war meine erste auf PR-und nicht auf Journalistenseite, bei der ich den Auftrag hatte, Menschen auf der Straße anzusprechen und sie zu bitten, gegen ein warmes Essen und etwas zu trinken eine Stunde ihrer Zeit zu opfern und sich die Pressekonferenz anzuschauen.

Wirklich absurde Situationen, die ja in Zeiten von Social Media zum Glück nicht mehr umzusetzen sind. Was würde nur passieren, wenn ein Bäcker oder Student twittern würde: „Bin gerade auf der Straße gefragt worden, ob ich nicht an der Pressekonferenz für den habeichschonwiedervergessen-Award teilnehmen möchte. Weil es gutes Essen gab, habe ich einfach mal „Ja“ gesagt.“…!?

Abschließend

Ich persönlich bin froh, dass sich die Zeiten geändert haben und viele Pressekonferenzen nur noch dann veranstaltet werden, wenn sie auch wirklich Sinn machen!

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