PR Ideen: „Je schräger oder polarisierender, desto besser!“

Wie PR-Menschen sich bei Journalisten unglaubwürdig machen, warum Medien in Dresden über eine Hamburger Domina berichten und was die Arbeit beim Radio von der bei einem Printmedium unterscheidet, unter anderem darüber spricht die Journalistin Juliane Bauermeister im Interview mit PRleben.

Sie hat in vielen Redaktionen Erfahrungen sammeln dürfen, auch mit PR-Menschen… und sie hat so einiges erlebt: Geschichten zum Lachen, aber auch welche bei denen man einfach nur den Kopf schütteln kann…

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Juliane Bauermeister, Journalistin

Was genau ist dein Job und wie bist du dazu gekommen?

Seit fünf Jahren bin ich Redakteurin bei der Tageszeitung; erst bei der Bild-Zeitung, inzwischen bei der Dresdner Morgenpost. Mein Job besteht darin, Themen zu recherchieren und daraus eine Geschichte zu machen. Gute Geschichten sind für mich die, die das Leben schreibt. Mit vielen Emotionen, Aufregern oder einfach nur einem Maximum an Skurrilität. Alles hat mit einem Praktikum bei der BCS Broadcast Sachsen angefangen. Dazu gehört Hitradio RTL, Radio Dresden, Radio Leipzig, Radio Chemnitz, Radio Lausitz, Radio Zwickau und Radio Erzgebirge. Auf das Praktikum folgte ein Volontariat. Nebenbei studierte ich noch Medienmanagement in Dresden.

Was schätzt du an den Printmedien?

Im Vergleich zu Radio und Fernsehen „versendet“ sich Print nicht. Aber momentan geht ja sowieso alles fließend ineinander über. Und genau das macht Print noch spannender. Geschichten werden nicht nur abgedruckt, sondern erscheinen auch online und im bewegten Bild. Bei der Dresdner Morgenpost wurde extrem viel Manpower in diese Abteilungen gesteckt. So besteht die Redaktion nicht mehr nur aus Redakteuren und Fotografen, sondern auch aus Onlinern, Kameraleuten, Cuttern und Tonassistenten.

Was schätzt du am Medium Radio?

Die Schnelligkeit. Im Radio ist der Live-Anteil am größten. So kann bei aktuellen Ereignissen sofort reagiert werden. Obwohl die anderen Medien durch ihre wachsenden Online-Auftritte gerade mächtig aufholen.

Wie kommst du in deinem Job am häufigsten an gute Geschichten, Informationen? Social Media, Newsseiten im Netz, persönliche Kontakte, eigene Recherche…

Eine Mischung aus allem. Persönliche Kontakte sind da immer noch am wertvollsten. Denn die besten Geschichten benötigen Vertrauen, so komme ich an die wirklich interessanten Infos. Selbst, wenn ich diese nicht veröffentliche, sind sie wichtig, um mit ihnen zu arbeiten oder auf eine spannende Spur zu kommen.

Du bist vom Radio zur Zeitung gewechselt und kennst beide Medien. Welche Unterschiede gibt es bei der Herangehensweise an Themen /Geschichten?

Der Fokus ist anders. Bei der Zeitung beschäftige ich mich viel intensiver mit den Geschichten, was ja auch verständlich ist. Denn beim Radio ist dafür weniger Raum, außerdem geht es auch um überregionale Themen, die man vom Schreibtisch aus recherchieren kann. Bei einer regionalen Tageszeitung kann man sich mehr Zeit für die Umsetzung nehmen. Man fährt mit einem Fotografen raus, führt Interviews, hinterfragt die Geschichte, saugt alles auf. Das, was dann in der Zeitung steht, ist nur ein Bruchteil von dem, was man alles erfahren hat.

Was bedeutet für dich gute PR? Kannst du sagen, welche Eigenschaften ein guter PR-Mensch mitbringen sollte?

Ein guter PR-Mensch sollte für Rückfragen immer gut erreichbar sein. Außerdem sollten die Pressemitteilungen übersichtlich und mit vollständigen Informationen geschrieben sein.

Es ist auch immer gut, wenn der PR’ler seine Themen realistisch einschätzt. Immer wieder werden mir langweilige Geschichten angedreht. Als hätte die Welt darauf gewartet, dass im Shoppingcenter die Außenfassade gereinigt wird. Mit Händen und Füßen wird mir dann am Telefon erklärt, warum das aber trotzdem interessant für den Leser ist. Das nervt, frisst Zeit und macht den PR-Menschen unglaubwürdig. Schöner ist es, wenn man direkt fragt: Ja, nein? Punkt! Die wichtigsten Eigenschaften sind da Kreativität und Gespür für das Medium. Einzige Ausnahme: Manchmal entsteht im Gespräch dann doch eine gemeinsame Idee einfach nur, weil man etwas rumlabert.

Kannst du dich an eine PR-Aktion erinnern, die du richtig gut fandest? Welche?

Es gab mal eine Aktion von einer Domina aus Hamburg. Sie hat einen Tag lang Leuten für den guten Zweck den Hintern verdroschen. 25 Euro pro Person gingen in den Spendentopf. Zusammen mit dem PR-Typen habe ich beschlossen, dass die Dame ein Teil des Geldes an die Dresdner Tafel spendet, somit war die Geschichte regional und für mich relevant. Die Zeile lautete dann: „Domina peitscht für Dresdner Tafel.“ – eine Win-Win-Situation.

Was sollte ein PR-Mensch im Job auf jeden Fall vermeiden? Gab es mal ein negatives PR-Erlebnis?

Am schlimmsten sind weltfremde PR-Menschen. Es ist einfach wichtig zu wissen, was gerade in den Medien abgeht. Bei einer zugespitzten Flüchtlingslage oder am Tag der Oberbürgermeisterwahl braucht man keinem Redakteur, die Eröffnung einer Orchideen-Schau anzubieten. An einem ruhigen Wochenende stehen da die Chancen schon besser. Was mich dagegen überhaupt nicht stört, sind Mail-Reminder oder Anrufe. Denn im Alltagsgeschäft kann es schnell passieren, dass man etwas vergisst, und da ist man für jede Erinnerung dankbar. Solange sie natürlich charmant und nicht aufdringlich ist.

Du bekommst sicherlich öfters Angebote von PR-Menschen, welche Angebote sind dir am liebsten und womit kannst du gar nichts anfangen?

Mit Angeboten, die einer Werbeanzeige gleichen, kann ich nichts anfangen. Es sollte schon eine redaktionelle Grundlage da sein, mit der man eine Story erzählen kann. Je schräger oder polarisierender, desto besser. Aber nicht alles gibt das her, es gibt einfach langweilige Themen, die uninteressant sind. Das muss man dann akzeptieren.

Welches Unternehmen / welche Marke leistet deiner Meinung nach richtig gute Öffentlichkeitsarbeit und warum,… was beeindruckt dich daran?

Ohne Frage Sixt. Wie schnell da auf aktuelle Themen eingegangen wird, ist einfach nur großartig. Sei es Angela Merkel mit Cabrio-Friese oder der GDL-Chef, der als Mitarbeiter des Monats gefeiert wird. PR kann so schön lustig sein.

Könntest du dir vorstellen, vom Journalismus in die PR zu wechseln? Warum /warum nicht?

Nein, momentan nicht. Mir würde die redaktionelle Arbeit fehlen.

Vielen Dank, liebe Juliane!

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