„Es gibt die offizielle Lizenz zum Scheitern!“

Warum es nicht schlimm ist, Fehler zu begehen, was echte Kommunikationsprofis ausmacht und wie Social Media Kanäle gepflegt werden sollten… um diese und weitere Themen, geht es im Interview mit „Vorzeige-Kommunikatorin“ Stephanie Tönjes. Ein wunderbares Gespräch über Digitalisierung und PR, aber auch die Wichtigkeit von Persönlichkeitsentwicklung!

Stephanie Tönjes Senior Kommunikations-Referentin "Deutsche Telekom", Verena Bender, PR, Kommunikation, Presse, PR Coach, Public Relations, Dozentin, PR Blog

Stephanie Tönjes
Senior Kommunikations-Referentin
„Deutsche Telekom“

Was genau ist dein Job und wie bist du dazu gekommen?

Ich bin Senior Kommunikations-Referentin und arbeite bei der Deutschen Telekom im Bereich Corporate Communications. Bei der Telekom bin ich tatsächlich schon ziemlich lange, nämlich schon seit 1999. Im Jahr 2006 bin ich in die Unternehmenskommunikation gewechselt und war dort zunächst im Bereich Sponsoring und vorrangig als Assistenz tätig. In dieser Zeit habe ich Social Media für mich entdeckt.

In meiner Freizeit habe ich einen Foodblog gestartet und mir mit viel Herzblut eine treue Community aufgebaut. Für mich ist es nicht „nur“ Interesse an Social Media sondern Leidenschaft – und die kann ich inzwischen auch beruflich ausleben. So kümmere ich mich heutzutage um die Social Media Aktivitäten der Telekom und um Influencer Relations.

Was ist gute PR?

Gute PR zeichnet sich dadurch aus, zielgruppen- und kanalgerecht zu kommunizieren, ansprechende Stories zu erzählen und vor allem Mehrwert zu bieten. Ein bloßes Aussenden von Botschaften ist für mich der absolute Graus!

Was sind die wichtigsten drei Eigenschaften, die ein PR-Mensch in der heutigen Zeit mitbringen sollte?

Die wichtigste Eigenschaft ist Veränderungsbereitschaft. Gerade im Bereich der Kommunikation hält die Digitalisierung am schnellsten Einzug. Es gilt offen gegenüber neuen Kommunikationsformen und –kanälen zu sein und diese idealerweise auch selbst aktiv zu nutzen.

Also:

–          Veränderungsbereitschaft

–          Neugierde

–          Empathie

Oder einfacher gesagt: Die richtige Haltung ist entscheidend.

Welche drei grundlegenden Dinge haben sich aus deiner Sicht durch die Digitalisierung in der PR verändert?

Da muss man auf jeden Fall all die neu  hinzugekommenen Kommunikationskanäle nennen. Und mit ihnen natürlich auch die Möglichkeit, so viele Zielgruppen mehr zu erreichen, als man es womöglich früher konnte. Heutzutage hat man eben nicht mehr nur seine Hand voll Journalisten, mit denen man im Austausch steht, sondern diverse (Online-)Communities.

Und diese reagieren auch. Wurden früher Pressemitteilungen versendet, muss man auf den neuen Kanäle wie Twitter, Facebook, Instagram etc. auch mit dialogfreudigen Zielgruppen rechnen.

Auch eine grundlegende Änderung: Die vermeintlich ständige Erreichbarkeit, die einem das Social Web suggeriert.

Ist die Digitalisierung für dich Chance oder Risiko?

Für mich ist sie definitiv Chance. Selten hatte man so viele Möglichkeiten, die Zukunft mitzugestalten, wie jetzt. Man kann sich entfalten, neue Dinge ausprobieren und es gibt die offizielle Lizenz zum Scheitern, um wieder aufzustehen und besser zu werden. Fehler zu machen ist nicht mehr verpönt. Schaut euch nur all die Fuck-Up-Events an, die derzeit aus dem Boden gestampft werden.

Bei der Telekom seid ihr in Sachen Social Media sehr weit vorne. Neulich gab es den zweiten „InstaWalk“. Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Stimmt, im September fand unser zweiter Telekom InstaWalk auf dem Berliner Fernsehturm statt. Auf unserem Account @deutschetelekom fokussieren wir uns darauf, unsere Community mit hinter die Kulissen des DAX30-Konzerns zu nehmen. Die InstaWalks sind die perfekte Möglichkeit, dies nun auch von der virtuellen in die reale Welt zu übertragen. Und so öffnen wir unserer Community Telekom-Türen, die für Besucher normalerweise verschlossen bleiben. Beispielsweise das Büro unseres CEOs oder auch die Antennenplattformen über der markanten Kugel des Fernsehturms.

Auf der einen Seite festigen wir damit die Bindung zu unserer Community, treten in den direkten Austausch mit ihr und werden als nahbares Unternehmen wahrgenommen.  Zudem erreichen wir Personen, die die Telekom bislang in dieser Form noch gar nicht auf dem Schirm hatten, denn natürlich posten die Teilnehmer ihre Eindrücke vom InstaWalk und teilen diese wiederum mit ihren Communities.

Auf welche Aktionen der Telekom können wir uns in Zukunft freuen?

Wir haben da noch einiges in petto. Es wird definitiv weitere Telekom InstaWalks geben – die Nachfragen stapeln sich. Und um nicht zu viel zu verraten, aber möglicherweise wird es demnächst auch eine Art „Feed The Troll“-Event geben. Was dahinter steckt? Ihr dürft gespannt sein! 😉

Welches sind deine drei ganz persönlichen Lieblings-Plattformen im Netz und warum?

Anders als man vielleicht vermuten würde, ist meine Lieblings-Plattform nicht Instagram, sondern Twitter. Ich schätze den Netzwerk-Aspekt sehr und habe dadurch so viele Persönlichkeiten kennengelernt, die mich immer wieder auf´s Neue inspirieren. Natürlich folgt darauf aber sofort Instagram. Ich bin ein absolut visueller Mensch und liebe es, durch all die vielen Fotos zu scrollen.

Mit Instagram verbinde ich Leidenschaft und Communities, mit denen ich meine Vorliebe für „Food“ teilen kann. Zudem bin ich ein großer Fan von InstaStories. Schon immer wollte ich einen eigenen YouTube-Kanal eröffnen, um Videos zu  produzieren. Bislang hat mich der vermeintlich große Aufwand aber immer wieder davon abgehalten. InstaStories sind für mich gewissermaßen Spiel- und Testwiese. Schneller und einfacher kann man Videos nicht produzieren.

Die dritte Plattform ist kein klassisches Social Network und dennoch etwas, worauf ich nicht verzichten kann – nämlich Spotify. Ohne Musik könnte ich nicht leben!

Braucht jedes Unternehmen eine Facebookseite und einen Twitterkanal oder ist es manchmal sinnvoller, dort nicht vertreten zu sein?

Das würde ich immer mit: „Alles kann, nichts muss“ beantworten. Man sollte immer abwägen, welche Plattform tatsächlich zu einem passt. Niemand sollte einen Kanal aufmachen, nur um dort vertreten zu sein. Denn jeder einzelne sollte mit Herzblut geführt werden. Dafür braucht man aber auch Ressourcen!

Im Zweifel sollte man sich nur für einen Kanal entscheiden, diesen dann aber „richtig“ bespielen. Grundsätzlich kann sich meines Erachtens aber kein Unternehmen erlauben, in der heutigen Zeit keine Online-Präsenz zu haben!

Wie schwierig ist es für dich, einen Abend nicht zum Smartphone zu greifen?

Sehr schwierig! Wenn mich ein Hashtag beschreibt dann #alwayson

Wenn ich das richtig mitbekommen habe, beschäftigst auch Du dich mit dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. Inwiefern hilft dir das in deinem Beruf?

Personal Branding ist ein Themenfeld, das mir sehr wichtig ist. Auch hier sehe ich die Chancen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Ich war schon immer ein enorm ehrgeiziger Mensch mit großen Ambitionen. Ich sprudle über vor Ideen und möchte etwas erschaffen. Es ist dabei unerlässlich, sich auf seine Stärken zu fokussieren und diese auszubauen.

Wenn man persönlich wachsen möchte, kommt man heutzutage nicht um eine aussagekräftige Positionierung im Netz herum. Strategisches Personal Branding hilft einem dabei, sich auf seine Ziele zu fokussieren, seinen Namen mit einem Themengebiet zu verknüpfen und weit über das eigene Unternehmen hinaus als Experte wahrgenommen zu werden. Gerade in der Kommunikationsbranche ist das extrem wichtig.

Kannst Du dich an eine PR-Aktion erinnern, die dich begeistert hat? Wenn ja welche und warum?

Da kommt mir direkt die Kampagne von Aldi in den Sinn, die sie im Rahmen der Bundestagswahl geschaltet haben – die Aldi Süd Frischeoffensive. „Salat statt Bürokrat“ ist nur ein Spruch, der mich das ein oder andere Mal zum Schmunzeln gebracht hat. Sicherlich war das eher Werbung, statt klassischer PR.

Könntest du dir vorstellen, von der PR in den Journalismus zu wechseln? Warum /warum nicht?

Um ehrlich zu sein: Nein! Ich liebe die Freiheiten, die ich aktuell genieße. Ob es die Entwicklung von Kommunikationskonzepten ist oder auch das teilweise augenzwinkernde Kommunizieren auf Social Media. Ich liebe Themenvielfalten und würde mich ungerne auf eins zu stark fokussieren.

Viel mehr, als in den Journalismus zu wechseln, könnte ich mir vorstellen, mich in Zukunft selbstständig zu machen und mein eigener Chef zu sein!

Vielen Dank, liebe Steffi!

Wunderbare Anregungen und Texte von Steffi Tönjes, gibt es regelmäßig hier zu lesen! 

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2 Gedanken zu “„Es gibt die offizielle Lizenz zum Scheitern!“

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